Das Massaker von Tulle am 8. Juni 1944

Beim Massaker von Tulle wurden am 8. Juni 1944 ca. 120 deutsche Soldaten von französischen Maquisards grauenhaft massakriert. Nachdem Frankreich Deutschland den Krieg erklärt hatte, kam es zum erfolgreichen Westfeldzug und der anschließenden vorübergehenden Besetzung Frankreichs, wobei eine Reihe von Stützpunkten eingerichtet wurden. Die kleine deutsche Garnison von Tulle war am 7. Juni 1944 auf Befehl der französischen Vichy-Regierung kampflos zurückgelassen worden, so dass die deutsche Garnison allein die Abwehr gegen die bolschewistischen Partisanen übernehmen musste. Noch nach dem Ende der Kämpfe erschossen dann die französischen Maquisards gefangengenommene deutsche Soldaten. Die „Francs-Tireurs-Partisans“ wussten genau, was sie taten. Unter ihnen befanden sich Polen, Rotspanier und auch vier uniformierte sowjet-Bolschewisten. Nach Abschluss der Kämpfe erschossen sie mehr als 12 deutsche Gefangene unterhalb des Friedhofs, nachdem diesen der lothringische Abbé Chateau die Absolution erteilt hatte. Eine weitere Massenexekution fand im Wald statt, wo ein anderer Priester etwa 20 deutschen Gefangenen die Absolution vor deren Erschießung gewährte. Insgesamt wurden etwa 120 wehrlose deutsche Soldaten nach ihrer Gefangennnahme erschossen. Die Leichen waren dabei in unmenschlicher Weise verstümmelt worden. Straßenweiber hatten auf den Leichen herumgetrampelt und waren sogar in der Stadt herumgezogen und trugen dabei Organe in den Händen mit sich. Einige dieser Toten mussten als „unbekannt“ beerdigt werden, da sie durch unglaubliche Gesichtsverstümmelungen einfach nicht mehr zu erkennen waren.

Deutsche Einheiten der Panzerdivision „Das Reich“ eroberten am folgenden Tag Tulle zurück. Die Soldaten fanden zuerst die Leichen von 40 deutschen Landsern. Ihre Schädel waren eingeschlagen, ihre Augen ausgestochen worden. Darüber hinaus waren an der Friedhofsmauer von Tulle zehn deutsche Soldaten abgeschlachtet worden. Augenzeugen berichteten, dass die entmenschten Maquisards mit schweren Lastwagen über die noch lebenden deutschen Soldaten hinweggefahren waren, ihre Begleiterinnen besudelten die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Deutschen und ließen sich auf ihren Leichen lachend photographieren. Bei einem Toten stellten die Soldaten schaudernd fest, dass ihm die Partisanen beide Fersen durchbohrt und durch die Löcher einen Strick gezogen hatten. 62 weitere deutsche Soldaten, die den Maquisards beim Angriff auf Tulle in die Hände fielen, hauptsächlich Eisenbahner und Sanitäter, waren in einem Wäldchen bei Naves, zehn Kilometer nördlich Tulle, erschossen worden. Mit Unterstützung der französischen Bevölkerung wurden aus den gefangenen Maquisards 99 Männer herausgesucht, die der Teilnahme an diesem Massaker von Tulle überführt worden waren. Diese wurden gehängt. Die Strafaktion fiel demzufolge relativ milde aus. Statt der völkerrechtlich erlaubten Hinrichtung im Verhältnis 1:10, beschränkte man sich nicht nur auf das Verhältnis 1:1, sondern blieb sogar noch darunter.

Im Kriegstagebuch des LVIII. Pz.Korps heißt es:

„Als der Morgen des 9. Juni graute, erlebte der Zugführer Hofmann nach seinen eigenen Worten folgendes: „Im frühen Morgengrauen des nächsten Tages mußte ich mich bei meinem Kp.Führer zur Entgegennahme weiterer Befehle melden. Hier erzählte mir mein Kp. Führer, daß die Maquis aus der Stadt vertrieben seien und sich höchstens noch einige wenige in den Häusern versteckt hielten. Er ging mit mir und mit uns der Präfekt der Stadt Tülle zu einer Schule, an der viele Einschüsse zu sehen waren. Vor deren Türen und auf dem Platz vor der Schule lagen mehrere tote deutsche Soldaten. Zahlenmäßig möchte ich hier nichts Bindendes sagen, ich glaube, es waren 20, 30. Die meisten hatten Schüsse im Rücken oder Hinterkopf. Selbst auf Tragbahren lagen einige Tote. Es hatte den Anschein, daß sie erst auf der Trage erschossen wurden. Auch ein LKW stand vor der Schule, unter dem Tote lagen. Es war ein Führer vom S.D. dabei… Danach führte der Herr Präfekt meinen Kp. Führer und mich zu einem Hospital, in dem ungefähr 30 Verwundete dieser Wehrmachtseinheit lagen. Sie erzählten uns von dem Überfall der Maquis. Auch sprachen sie von der Hilfe einzelner Tuller Bürger, denen sie ihr Leben verdankten, und der vorbildlichen Haltung des Chefarztes, der sie unter den Schutz des Roten Kreuzes gestellt habe, als ein Bataillonskommandeur der Maquis sie habe erschießen lassen oder mitnehmen wollen.“

Obwohl die offizielle französische Seite anhand der Dokumente genau weiß, was sich tatsächlich zugetragen hat, unterdrückt sie bis heute die Wahrheit über das Massaker an Deutschen und die Leichenschändung in Tulle und beschönigt das Verhalten der Partisanen bis zur völligen Verdrehung der Wahrheit. Die Akten über Tulle und Oradour sind in den französischen Archiven bis weit über das Jahr 2000 hinaus gesperrt, sicher nicht ohne Grund.


TULLE und ORADOUR – Eine deutsch-französische Tragödie

Von Otto Weidinger (1985)

V e r d u n

1916 –1984

„Frankreich und Deutschland haben die Lehren aus der Geschichte gezogen. Europa ist unser gemeinsames Vaterland. Wir sind Erben einer großen europäischen Tradition . Deshalb haben wir vor 40 Jahren den Bruderkampf beendet und begonnen, gemeinsam an unserer Zukunft zu bauen. Wir haben uns versöhnt, wir haben uns verstanden, wir sind Brüder geworden.“

Gemeinsame schriftliche Erklärung des französischen Staatspräsidenten Mitterrand und des deutschen Bundeskanzlers Dr. Kohl anläßlich des Gedenkens der gemeinsamen Gefallenen in Verdun-Douaumont am 22. September 1984

Vorwort

Der gemeinsamen Erklärung der beiden Staatsmänner in Verdun können wir nur aus vollem Herzen zustimmen. In diesem ständig wachsenden Freundschaftsverhältnis zwischen Frankreich und Deutschland schwärt jedoch immer noch eine Wunde, die nur schwer verheilen will — Tulle und Oradour.

Seit 1944 spielt dieses Kapitel in der alliierten Kriegspropaganda eine herausragende Rolle und wir müssen leider feststellen, daß sich in den Massenmedien der Welt und bedauerlicherweise auch in der Bundesrepublik Deutschland bis auf den heutigen Tag nicht das Geringste geändert hat.

Die Kriegspropaganda von gestern bis heute soll offensichtlich zu einem festen Bestandteil der Geschichte von morgen werden.

Das verbietet jedoch die historische Wahrheit.

Im Fall Oradour wurden auf beiden Seiten Fehler begangen. Aber die Gerechtigkeit und die Wahrheit fordern, daß die Schuldzuweisung anteilmäßig auf beide Schultern verteilt wird.

Gewiß haben die Maquisards für die Befreiung ihres Landes gekämpft, wofür wir volles Verständnis haben. Es darf aber auch nicht vergessen werden, daß dieser Kampf, der den deutschen Truppen aufgezwungen wurde, unter eklatantem Verstoß gegen den deutsch-französischen Waffenstillstandsvertrag von 1940, gegen die Haager Landkriegsordnung und gegen die internationale Genfer Konvention (siehe Anlagen!) geführt wurde. Damit war vorauszusehen, daß von deutscher Seite aus Gegenmaßnahmen und Repressalien zu erwarten waren.

Die Maquisards waren nach internationalem Völkerrecht und auf ausdrücklichen Befehl des OKW als „Freischärler“ zu behandeln. Daran änderte auch die Tatsache nichts, daß das alliierte Oberkommando unter General Eisenhower die französische Widerstandsbewegung zu einem Bestandteil der „lnnerfranzösischen Streitkräfte“ erklärte. Da diese Erklärung nur einseitig erfolgte und von Deutschland nicht anerkannt wurde, blieb sie ohne völkerrechtliche Wirkung.

[2] Wenn diese schweren Verstöße gegen zweiseitige Verträge und gegen internationale Abmachungen trotzdem in Kauf genommen wurden, dann durfte aber nach Kriegsende nicht jeder französische Tote dieses ungleichen Kampfes den regulären deutschen Truppen als Mord nach dem zivilen Gesetzbuch angelastet werden.

Bereits im Jahre 1953 waren vor dem Ständigen Höheren Militärgericht Bordeaux für Tulle und Oradour wochenlange Prozesse vor der gesamten Weltpresse abgelaufen. So wurden im großen Oradour-Prozess 43 Angehörige der 3. Kompanie /“DF“ in Abwesenheit zum Tode verurteilt, von denen der größte Teil in den schweren Kämpfen an der Normandiefront und in den folgenden Kämpfen bis Kriegsende gefallen war. Zwei Unterführer wurden in Anwesenheit zum Tode verurteilt, aber später begnadigt und nach mehreren Jahren entiassen.

Im übrigen haben die Kämpfe im Raum Tulle-Oradour, die als gemeinsamer Komplex betrachtet werden müssen, auf deutscher Seite mindestens 141 Todesopfer gefordert. Bis zum heutigen Tage ist gegen keinen Angehörigen des französischen Maquis ein gerichtliches Urteil wegen Mordes an deutschen Soldaten ergangen.

Von 1944 bis heute gab es eine ganze Reihe von Fällen, wo ganze Ortschaften zerstört und die gesamte Bevölkerung einschließlich Frauen und Kinder ausgerottet wurden, wie in Algier, Indochina, Vietnam, Afghanistan, Libanon etc. Es ist kein einziger Fall bekannt, in dem ein Internationales Militärtribunal, wie es sich in Nürnberg konstituiert hatte, sich darum gekümmert, geschweige denn ein Urteil gefällt hätte.

Wenn auch unmittelbar nach dem Kriege das Wort: Vae victis! — Wehe den Besiegten! noch Gültigkeit hatte, wo die Leidenschaften vom Kampf noch aufgewühlt waren, so sollte man auf französischer Seite, angesichts der geschichtlichen Aussöhnung zwischen unseren beiden Völkern auch unter diese wahrhaft deutsch-französische Tragödie endlich einen Schlußstrich ziehen.

Der im Frühjahr 1983 in Ostberlin abgelaufene Prozeß gegen den ehemaligen Obersturmführer Heinz Barth kann — 40 Jahre später — nur als verspäteter Schauprozeß eines östiichen Regimes bezeichnet werden, zu dem der französische Botschafter [3] in der DDR, sowie Einwohner von Oradour und Lidice/ Tschechoslovakei als Zeugen und Zuschauer geladen waren.

Es muß doch sehr nachdenklich stimmen, daß der Angeklagte, entgegen aller bisherigen Erfahrungen bei westlichen Gerichten, sich selbst ständig auf das schwerste belastete, indem er die ihm vorgehaltenen Anschuidigungen des Staatsanwaltes fast wörtlich wiederholte, die dann als volles Geständnis zu Protokoll gegeben wurden.

Doch zu diesem Prozeß wird noch von anderer Stelle Stellung genommen werden.

Hier wird nun eine Dokumentation dieser deutsch-französischen Tragödie von Tulle und Oradour von deutscher Seite aus vorgelegt, die nach bestem Wissen und Gewissen erstellt wurde und bereits in der Divisionsgeschichte DIVISION DAS REICH — Band V — Munin-Verlag, Osnabrück 1982 — veröffentlicht wurde.

Die Akten über Tulle und Oradour sind in den französischen Archiven bis weit über das Jahr 2000 hinaus gesperrt — sicher nicht ohne Grund.

Diese Dokumentation soll dazu beitragen, im Sinne der deutsch-französischen Aussöhnung, der historischen Wahrheit und Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen.

April 1985

Otto Weidinger


Tulle und Oradour, 9. und 10.6.1944

Die alliierte Invasion ist geglückt.

Werner Haupt schreibt:

„Als sich der Abend des „D-Days“ auf das blutende Land der Normandie mit seinen brennenden Städten und Dörfern senkte waren die Landungen der 1. US-Armee des Generals Bradley und der 2. britischen Armee des Generals Dempsey geglückt und vollkommen!

Die Transportschiffe der alliierten Marine hatten nicht nur Tausende von Soldaten an die Küste gebracht, sondern inzwischen auch 8900 Fahrzeuge aller Art — einschließlich schwerster Kampfwagen — und 1900 Tonnen Material ausgeschifft.

Die britischen Truppen hatten sich in einem Gebiet von 25 km Breite und 10 km Tiefe zwischen der Orne und nördlich von Ryes festgesetzt, während die Amerikaner einen 15 km breiten und 4 km tiefen Abschnitt an der Südostecke der Halbinsel Cotentin ihr eigen nannten.

Die Alliierten beklagten den Verlust von 11.200 Gefallenen, Verwundeten und Vermißten. Die Verluste der Deutschen beliefen sich auf 6500 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften.

Es war ein blutiger Tag gewesen, der 6. Juni 1944.

Dieser „längste Tag“ brachte den alliierten Truppen die Landung in der Normandie, damit den Einbruch in den europäischen Kontinent und den Anfang vom Ende des deutschen Reiches. „…

Der aussichtslose Kampf der deutschen Divisionen gegen eine überwältigende Übermacht bei totaler alliierter Luftherrschaft hatte begonnen.

Doch nun zurück nach Südfrankreich zur Division „Das Reich“.

Marschvorbereitung der Division.

7. Juni 1944

In den Morgenstunden kommt der Befehl „Alarmstufe II“, d. h. Herstellen der Marschbereitschaft. Die vorbereitete Requisition von Kraftfahrzeugen aus dem Lande wird durchgeführt.

In der Nacht vom 7./8. verlegen die Einheiten der Division an die Vormarschstraße in die Nähe des Ablaufpunktes. .

Um 23.15 Uhr trit vom LVIII. (58.) Pz.Korps der fernmündliche Befehl ein:

„Division „Das Reich“ versammelt sich mit einsatzfähigen Teilen bis 8.6. abends im Raum Tulle- Limoges. Mit Eintreffen dort ist Division dem LXVI. (66.) Korps unterstellt.“

Dieser Befehl wird als Vorbefehl an die Truppe durchgegeben. Die Division bittet, beim OB-West zu erwirken, daß Kettenfahrzeuge, wie vorbereitet, im derzeitigen U-Raum verladen werden.

Schon Ende Mai sollte auf Anregung des SD-Chefs von Frankreich und auf Befehl des OB-West eine gleichzeitige Großaktion der Division „Das Reich“ und der 17.SS-Pz.Div. „Götz von Berlichingen“ zur Befriedung des Departements Dordogne erfolgen. Dieser Befehl konnte von den Divisionen mit Unterstutzung ihrer unmittelbar vorgesetzten Stäbe mit Rücksicht auf Ihre unzureichende Motorisierung und die Betriebsstofflage zurückgewiesen werden.

Es gilt als sicher, daß OB-West diese Aktion bei Invasionsbeginn nachholen wollte und deshalb die Versammlung der Division zum Abtransport an die Normandie-Front in den Raum des Departements Dordogne gelegt hat. Ein merkwürdiger Versammlungsraum mitten in der Hochburg der Maquisards! An sich waren die Abmarschvorbereitungen vorher über den Raum Bordeaux vereinbart und auch mit den Eisenbahnstellen getroffen, die für diesen Zweck sogar eigene Verladerampen hatten bauen lassen.

Die Lage an der Invasionsfront.

Schon ab 7. Juni werden täglich 2000 Kraftfahrzeuge und 12.000 Tonnen Material über Arromanches angelandet, später erfolgt der Bau einer Pipeline durch den Kanal direkt zum Strand mit 4,5 Millionen Liter Benzin täglich.

Noch im Juni stehen im nördlichen Frankreich und Belgien zwei deutsche Armeen mit 29 Infanterie-Divisionen und 6 Panzerdivisionen untätig — noch nicht im Einsatz.

Abmarsch der Division.

Um 4.00 Uhr ergeht folgender schriftlicher Divisionsbefehl:

2.SS-Panzer-Division Div.Gef.St.,den8 6. 1944 „Das Reich“ 4 00 Uhr la/Nr. 750/44 geh. Geheim

Divisionsbefehl für Bandenbekämpfung im Raum Tulle-Limoges

1.) Die Bandenlage im Zentralmassiv hat sich erheblich verstärkt. Sofortiges rücksichtsloses Zuschlagen starker Kräfte ist befohlen.

2.) 2. SS-Panzer-Division verlegt in den Raum Tulle-Limoges. Hierzu tritt die Panzerkampfgruppe in den frühen Morgenstunden des 8.6.44 in Truppeneinteilung gemäß Anlage 1 aus dem derzeitigen U-Raum auf zwei Marschstraßen an.

Marschstraße A: Villefranche — Figeac — Tulle

Marschstraße B: Caussade — Cahors — Brive — Limoges.

3.) Nach Eintreffen im Raum Tulle- Limoges bezieht die Panzerkampfgruppe kriegsmäßige Ortsunterkunft gemäß Anlage 2.

4.) Die Restteile der Division übernehmen die Aufgaben gemäß Divisionsbefehl für den Einsatz im Falle der Invasion. Alle zurückbleibenden Teile werden SS-Ostubaf. Wisliceny unterstellt. Die Restteile der abgerückten Einheiten führen die Bezeichnung „Nachkommando“. Es ist damit zu rechnen, daß die Restteile der Panzerkampfgruppe in nächster Zeit folgen. [7]

5.) Alle Märsche und Unterkünfte sind kriegsmäßig zu sichern. Der Schutz ausfallender Fahrzeuge ist besonders zu regeln. Märsche und Wachen unter Zugstärke sind verboten.

6.) Bei Feindwiderstand ist rücksichtslos durchzugreifen. Übergriffe gegen die unbeteiligte Zivilbevölkerung (insbesondere Plünderungen) sind mit allen Mitteln zu unterbinden. Im Zuge der Kampfhandlungen sind besonders Kraftfahrzeuge und Betriebsstoffvorräte zu beschlagnahmen und unter Meldung an die Division zur Beweglichmachung der Truppe auszunutzen.

7.) Aktiver und passiver Luftschutz muß stets gewährleistet bleiben. Es ist durchaus möglich, daß von den Alliierten zur Verstärkung der Banden Luftiandetruppen eingesetzt werden.

8.) Meldungen: a) Herstellung der Marschbereitschaft ist fernmündlich und durch einen Ord.Offz. zu melden. Der Ord.Offz. hat Gliederung, Stärke, Ausrüstung, Kfz-Zahl und Marschlänge usw. zu melden. Er wird anschließend als Elnfadelungsoffizier wieder zur Truppe entiassen. b) Eintreffen in den zugewiesenen Räumen.

9.) Verkehrsregelung: durch Montauban durch Feldgend.Kp., im übrigen durch die Truppe.

10.) Verbindungen: a) Funk und innerhalb der Panzerkampfgruppe gemäß Funkplan . b) Funk und möglichst auch Fernschreibverbindung ZWIschen Stab / Panzerkampfgruppe und Nachkommando der Division stellt Pz.Nachr.Abt. sicher. c) Mit dem Antreten aus dem U-Raum ist bis auf weiteren Befehl Funkstille zu halten.

11.) Gefechtsstände: a) Pz.Rgt.: Tulle b) Pz.Gren.Rgt. „DF“: Limoges

[8] c) Art.Rgt.: Uzerche d) Pz.AA: Ussel

12.) Divisionsgefechtsstände:

a) auf dem Marsch: Marschstraße B

b) Tulle

c) Nachkommando Divisionsstab bleibt in Montauban.

Für das Divisionskommando: Der 1. Generalstabsoffizier

gez. S t ü c k I e r

Anlage zum Divisionsbefehl für Bandenbekämpfung im Raum Tulle-Limoges

Truppeneinteilung (nicht Marschfolge)

a) Auf Marschstraße A: Pz. Rgt. Pi.Gruppe Schmelzer (wirrd nach St Cere zugeführt. Verbindungsaufnahme stellt Pz.Rgt sicher)

b) Auf Marschstraße B: 1) Marschgruppe Pz.Gen.Rgt. „DF“ mit Teilen NA (Nachr. Abt.)

2) Marschgruppe Art.Rgt. mit Divisionsstab und Rest Pi Btl

3) Marschgruppe Deutschland, I./Deutschland, Sturmgesch. Abt., Flak Abt.)

4) Marschgruppe Versorgungsdienste: 2 Kolonnen Div.Nachsch. Tr., San. Abt.

Voraus auf Marschstraße B: Pz.AA mit VP (Vorauspersonal der Division)

c) Einfädelung und Marschfolge regeln die Marschgruppenführer

d) Beleuchtungsstufe: Nachtmarschgerät

e) Karten werden in genügender Anzahl den Ord.Offz. gem fer 8 ausgehändigt.

f) Das Antreten aus den U-Räumen wird nach Herstellung Marschbereitschaft durch Funk befohlen.

Anlage 2 zum Divisionsbefehl für Bandenbekämpfung im Raum Tulle-Limoges

Unterbringungsübersicht im neuen U-Raum

1) Divisionsstab mit NA (Nachr.Abt.): im Raum Tulle

2) Pz.Rgt.: im Raum St. Fortunade — Egletons — Seilhac

3) Pz.Gren.Rgt. „DF“: im Raum: Limoges — St. Leonard — Ambazac — Nieul

4) Pz.Art.Rgt.: im Raum Uzerche — Meilhards — Masseret

5) I./Deutschland: im Raum Pierre — Buffiere

6) Pz.AA: im Raum Ussel — Eygurande — Meymac

7) Stu.Gesch.Abt.: im Raum Pz.Gren.Rgt. .,DF“

8) Flak-Abt. sichert das Pz.Rgt. gegen Luftfeind

9) Pi.Btl.: im Raum Eymoutiers — Dachelle

10) Versorgungsdienste: im Raum Brive — Donzenac (San.Abt. stellt Aufnahmebereitschaft von Ortslazaretten in Tulle und Limoges sicher.)

Der Antrag der Division auf Verladung der Kettenteile wird abgelehnt — eine Maßnahme die angesichts des langen Anmarschweges zur Normandie, vor allem für die Panzer und Halbkettenfahrzeuge, unverständlich ist.

Das Nachkommando

Nicht einsatzbereite Teile bleiben unter Führung von Ostubaf. Wisliceny (Kdr.Pz.Gren.Rgt. 3 „Deutschland“) im bisherigen Unterkunftsraum und weiterhin dem LVI11.(58.) Pz.Korps unterstellt, und zwar:

Stab und Stabs-Kp. „D“, II./D, III./D, 14./D, 16./D, ll.iDF, 1.Pz.AA“DR“ (Pz.Sp.Kp.)

1 Kp.: Pz.Pi.Btl. „DR“

Feldersatz-Btl .

1 Nachr.-Kolonne

Versorgungsdienste für das Nachkommando

Marsch am 8.6.1944

Unterkunftsbereich vom 8.12.6.1944

Eine Skizze des Divisions-1a Stückler, verdeutlicht die geographische Lage und den Marschweg

Entnommen und ergänzt aus: Herbert Taege: „Wo ist Kain?“– Enthullungen und Dokumente zum Komplex Tulle und Oradour, Askania-Verlag, Lindhorst 1981

Der Marsch

Um 8.00 Uhr ergeht Funkbefehl an die Marschgruppen zum Antreten. Das Pz.Gren.Rgt. „DF“ tritt zunächst als erste Marschgruppe, zusammen mit Teilen der Nachrichten-Abteilung, den Vormarsch auf der Nationalstraße 20 über Cahors, Souillac, Brive, Uzerche auf Limoges an. Da die Pz.AA 2, die als Vorausabteilung marschieren sollte, nicht rechtzeitig antreten konnte, marschiert das Regiment zunächst an der Spitze der Division. Die übrigen Marschgruppen folgen in der vorgesehenen Reihenfolge.

Das Regiment „DF“ marschiert in folgender Gliederung: 15.(Kradsch.)Kp. Rgt.Stab u. Nachr.Zug 16.(Pi.)Kp. 13.(1nf.Gesch.)Kp. III (9ep.)/DF I ./DF

Mittags ist von der linken Marschgruppe der Division der Dordogne-Abschnitt erreicht. Eine längere Marschpause wird eingelegt. Die rechte Marschgruppe hangt noch zurück. Bis in die Nachmittagsstunden verläuft der Marsch planmäßig. In den Ortschaften, die das Regiment passiert, sind durch die deutschen Ortskommandanten bereits Sicherungsmaßnahmen in Form von Straßensperren und Barrieren getroffen. Eine eigenartige Spannung liegt in der Luft. Die Angehörigen der Ortskommandanturen, die seit Invasionsbeginn isoliert sind, begrüßen die deutsche Panzerdivision freudig und atmen erleichtert auf.

Noch ist nichts vom Widerstand des Maquis zu spüren. Bei schönstem Sommerwetter wird der Marsch in den frühen Nachmittagsstunden fortgesetzt.

Da die linke Flanke der Division nicht gesichert ist, wird das I./DF zwischen Cahors und Souillac von der Marschstraße nach Westen abgedreht und marschiert als linke Seitenkolonne auf den Nationalstraßen 701 und 703 in Richtung Limoges.

Der Regimentskommandeur, Standartenführer Stadler. fährt seit dem Abmarsch an der Spitze des Regiments. Gegen 17 Uhr wird die Lage gespannter. Man sieht keine Zivilbevölkerung [12] mehr an der Straße. Die Ortschaften sind wie ausgestorben. Das Gelande wird hugeliger und unübersichtlicher.

Der erste Widerstand

Kurz nachdem der Regimentskommandeur einen Kradschützenzug der 15. Kompanie unter Ustuf.Winkler an die Spitze befohlen hat, hört man plötzlich Schüsse. Der Zug ist hinter einer Kurve auf eine bewachte Straßensperre aufgefahren. Der Feuerkampf wird sofort aufgenommen. Der Widerstand ist nur gering und kurz darauf gebrochen. Die Umgebung der Häusergruppe, an der die Straßensperre errichtet war, wird durchsucht und die Straßensperre beseitigt. Rechts vorwärts an der Straße sieht man in einiger Entfernung im Gelände bewaffnete Zivilisten in ein Waldstück flüchten. In der nächsten Ortschaft brennt ein Schuppen, wahrscheinlich ein Signal für andere Widerstandsgruppen. Die Gehöftegruppe Noailles, an welcher der erste Wlderstand einsetzte, liegt ca. 8 km südlich von Brive. Der Marsch wird von jetzt ab mit der inzwischen herangekommenen Aufklärungs-Abteilung an der Spitze fortgesetzt.

Diese beseitigt bald darauf eine weitere unbesetzte Straßensperre. Gegen 18.30 Uhr erreicht der Anfang der Division Brive Dle rechte Marschgruppe — Panzerregiment — zieht im Raum Beaulleu unter.

Auftrag zur Freikämpfung der Besatzung von Tulle

In Brive teilt der dortige Feldkommandant dem Divisionskommandeur mit, daß er keinerlei Verbindung mehr nach außen hatte, in Bnve tatenlos der Einziehung junger Franzosen durch die Maquisards zusehen müsse und daß in Tulle heftige Kampfe zwischen dem dort liegenden Bataillon des Sicherungsregiments 95 (Heer) und den Maquisards im Gange seien Der Divisionskommandeur erhält hier über den Standortkommandanten den Befehl des LXVI.(66.) Res.A.K., die von starken Maquiskräften eingeschlossene deutsche Besatzung — da

III.Btl./Sich.Rgt.95 — freizukämpfen.

Dazu setzt die Division die Pz.Aufkl.Abt. auf Tulle an, die Div Führungsstaffel folgt ebenfalls dorthin.

Halbwegs auf dem Marsch dorthin erhält die Abteilung von einem Eisenbahntunnel aus Feuer, das erwidert wird. Gegen 21.00 Uhr erreicht die Abteilung den Ortsrand von Tulle. Ab diesem Zeitpunkt ist die Pz.Aufkl.Abt. in heftige Kämpfe um Tulle verwickelt. Ein Teil der deutschen Besatzung kann in letzter Minute noch befreit werden, wobei neun Angehörige der Abtellung als Tote und mehrere Verwundete zu beklagen sind.

Bei der linken Marschgruppe übernimmt das III.(gep.)/DF von Brive ab die Spitze der Marschgruppe, die In der Nacht den Weitermarsch in den Raum Limoges fortsetzt. Unterwegs mussen noch einige unbewachte Straßensperren beseitigt werden. Der Divisionsgefechtsstand befindet sich in Tulle.

9. Juni 1944

Gegen 2.00 Uhr morgens erreicht der Anfang der Marschgruppe „DF“ Limoges, wo der Regimentskommandeur sofort den StandortBefehlshaber aufsucht und sich in die Lage im Raum Limoges einweisen läßt.

Das Regiment wird von den deutschen Dienststellen der Stadt mit großer Erleichterung begrüßt. Sie sind schon seit zwei Tagen von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Fahrzeug war durch den Sperring der Maquisards nach außen oder von außen in die Stadt durchgekommen. Es wird in der Zivilbevölkerung davon gesprochen, daß ein konzentrischer Angriff des Maquis auf die Stadt unmittelbar bevorstehe. Alle Deutschen hoffen, daß das Regiment möglichst lange bleibt.

Der Regimentsgefechtsstand wird in das Hotel „Centrale“ in der Stadtmitte verlegt. Die Kommandeure und Kompaniechefs werden in folgende Unterkunftsräume eingewiesen:

Rgt.Stab und Rgt.Einheiten: Limoges

III.(gep.)/DF: Raum um St. Leonard de Noblat ostwärts Limoges, I./DF: Raum St. Junien nördlich und nordwestlich Limoges. Das I./DF unter Führung von Sturmbannführer Diekmann kommt nach vielen Hindernissen und einem aufreibenden Marsch erst in den Vormittagsstunden des 9.6. in Limoges an und marschiert nach Einweisung in seinen Unterkunftsraum St. Junien, I./D (mit Beendigung des Marsches dem Rgt.DF unterstellt): Raum Pierre-Buffiere.

Das I./DF hatte während seines Marsches in der linken Flanke der Division mehrere Feuegefechte mit Maquisards zu bestehen. Sein Weg führte über Gourdon, Payrac, Groleyac, Carsac, Calviac, Carlux und Peyrillac, wo es wieder auf die Nationalstraße 20 stieß. Die ersten Verlusten waren eingetreten. Mehrere Baumsperren mußten beseitigt werden.

Die Division „Das Reich“, vorläufig dem LXVI.(66.) Res.A.K. unterstellt, hat den Auftrag erhalten, im Raum Brive-Ussel — Gueret — St. Junien — Chalus kampfkräftig aufzuklären und eingeschlossene deutsche Truppenteile und Stäbe freizukämpfen. Dle Truppe wird in den Unterkünften aufgelockert. Für die nicht eingesetzten Teile ist Instandsetzung der Fahrzeuge befohlen .

In den frühen Morgenstunden des 10. Juni kommt Obersturmfuhrer Gerlach, Ordonnanzoffizier der Sturmgeschütz-Abteilung 2 „Das Reich“ in völlig erschöpftem Zustand und nur in Unterkleidern zum Regimentsgefechtsstand und berichtet dem Regimentskommandeur über seine Erlebnisse.

Diesen Bericht hat er vor dem Hamburger Amtsrichter Dr. Meyerdress, dem Anwalt Dr. Walters (Verteidiger im Oradour-Prozeß), einem britischen Captain und einem französischen Capitaine zu Protokoll gegeben, der nachstehend im Wortiaut wiedergegeben wird:

Der Bericht des Obersturmführers Gerlach

„Das Regiment war, vom Süden Frankreichs kommend, in der Nacht vom 8./9. Juni 1944 in Limoges eingetroffen.

Am Morgen des 9. Juni erhielt ich in Limoges vom Regimentskommandeur Stadler den Auftrag, für die Sturmgeschütz-Abteilung im Raum von Nieul Quartier zu machen. Er wies mich anhand der Karte ein und warnte mich vor den in diesem Raum tatlgen Wlderstandskämpfern.

Ich fuhr daraufhin mit sechs Männern in drei PKW nach Nieul. Wir machten dort Quartier; da der Ort jedoch nicht ausreichte fuhren wir anhand der Karte in die Nachbarorte. Mein Wagen war schneller, als die anderen beiden Fahrzeuge. Ich mußte daher bald halten und, da sie mir nicht gefolgt waren, kehrtmachen, um sie wiederzufinden.

Nach kurzer Fahrt wurde ich auf offener Straße plötzlich von einem LKW gestoppt, indem ich Militäruniformen sah. In der ersten Sekunde dachte ich, es seien Freunde; denn es war uns mitgeteilt worden, daß Franzosen in einer Milizuniform auf unserer Seite kämpften. Bevor ich weiter nachdenken, geschweige denn von meiner Maschinenpistole Gebrauch machen konnte, waren 7 — 8 uniformierte Männer aus dem Wagen gesprungen, hatten ihre Waffen auf uns gerichtet und waren schreiend und „Hände hoch!“ fordernd auf meinen Wagen zugekommen.

Sie zerrten meinen Fahrer und mich aus dem Wagen, rissen uns die Uniformstücke vom Körper, schlugen uns ins Gesicht und sagten unter unmißverständlichen Zeichen: „SS — sofort kaputt ! „

Wir hatten nur noch unser Unterzeug an. In diesem Aufzug stießen sie uns vom Wagen herunter in ein Gebüsch. lch war überzeugt, daß sie uns gleich erschießen würden; daher versuchte ich noch einmal zu Worte zu kommen und mich zu erklären, erst dem Führer gegenüber, einem großen, schlanken Manne, Anfang der Dreißiger, in Milizuniform. Der aber sagte nur, da er mich gar nicht zu verstehen schien: „Nix SS! SS — kaputt!“ Deshalb sprach ich einen jüngeren Mann an, der ein verhältismäßig gutes Deutsch redete, anscheinend ein Elsässer, der Mitleid mit uns zu haben schien. Das nützte aber auch nichts. Darauf erklärte ich, ich sei Ordonnanzoffizier der Division, ich könnte, wenn sie mich vor ihren Maquisführer brächten, wichtige Aussagen machen. Das schien auf den Elsässer Eindruck zu machen; er übersetzte es seinem Vorgesetzten. Der guckte mich an, sagte etwas zu mir, was ich aber nicht verstand.

Mein Fahrer und ich wurden zum PKW zurückgezerrt, wir mußten wieder einsteigen und unter Bewachung abfahren Ich sah nach einiger Zeit Ortsschilder, so daß ich mich orientieren konnte, dann kam ein Schild am Eingang eines Dorfes, auf dem stand: Oradour-sur-Glane. In der Hauptstraße von Oradour-sur-Glane hielten wir an. Wir mußten aussteigen. Wir wurden vonMaquis und vielen Neugierigen umringt. Ich sah viele Uniformierte, auch Frauen mit gelber Lederjacke und mit Stahlhelm. Die Bevölkerung nahm von Minute zu Minute eine immer drohendere Haltung ein. Deshalb ließ ein Uniformierter uns wieder [16] auf den Wagen bringen. lch sah, wie aus einer Scheune, neben einem Bäckerladen in der Hauptstraße von Oradour-sur-Glane Stricke herausgeholt wurden. Mein Fahrer und ich wurden wieder vom LKW heruntergeholt und mit den Stricken gefesselt. Dle Fesselung erfolgte in der Form, daß uns beide Arme auf den Rücken gebunden wurden, außerdem wurde der Knoten noch mit Draht gesichert. So standen wir noch etwa eine dreiviertel Stunde. Dann kamen französische Zivilisten auf einem Tandem gefahren. Sie sprachen mit der Bevölkerung. Wir mußten dann wieder an den Wagen steigen.

Die Männer, die uns gefangengenommen hatten, stiegen ebenfalls auf den Wagen, sie blieben bei uns als Bewachung. Wir fuhren von Oradour-sur-Glane weg, voran das Tandem, das die Sicherung übernahm und aus hundert Meter Entfernung dauernd Zeichen gab. Auf der Fahrt hielten wir zum ersten Mal vor einem Haus, an dessen Stirnseite ein Telephonschild angebracht war. Von dort aus telephonierten die beiden Zivilisten des Tandems. Sie kehrten zum LKW zurück und gaben anschließend dem Führer des Begleitkommandos eine Erklärung in französischer Sprache, die ich nicht verstand.

Wir fuhren dann links von der Hauptstraße ab in ein unbebautes Gelande. Nach weiteren drei bis vier Kilometern wurden wir bei einer Feldwache abgesetzt. Die Fesseln wurden uns abgenommen und wir bekamen etwas zu essen. Währenddessen war der LKW mit dem Begleitkommando weggefahren; er kehrte nach etwa zwei bis drei Stunden zurück. Nachdem wir wieder gefesselt waren, mußten wir den LKW nochmals besteigen

Wir fuhren etwa acht bis zehn Kilometer bis zu einer Waldschneise, an deren Ecke ein Kilometerstein mit der Bezeichnung „6,5 km bis Bellac“ stand. Wir bogen von der Straße in diese Waldschneise ab und stießen etwa dreihundert Meter weiter auf einen französischen LKW, der durch eine Trikolore gekennzeichnet war.

Hier wurden wir aus dem Wagen gezerrt und in übelster Weise mißhandelt. Man schleppte uns zu einem jungen Maquis anscheinend dem Kommandanten des Postens. Er trug eine blaue Uniform.

Wir wurden nicht verhört; er schrie uns nur zu: „SS nix Verhör sofort kaputt!“ Der junge Elsässer, einer der Bewachungsmänner, [17] wollte Einwendungen machen, er wurde aber grob vom Kommandanten angefahren. Der Kommandant rief nun einige Franzosen, die ebenfalls eine blaue Uniform trugen, heran und gab ihnen, soweit ich aus den Zeichen und Bewegungen verstehen konnte, den Befehl, uns in den Wald zu führen und uns zu erschießen. Mein Fahrer erkannte die Situation ganz klar, darum sträubte und sperrte er sich, mitzugehen; die Franzosen, die um uns herumstanden, stürzten sich wutentbrannt auf ihn und fielen über ihn her. Diesen Augenblick nahm ich wahr, schnell vorweg in den nahen Wald und das Gebüsch zu laufen. Ich rannte, was ich konnte; denn es ging um mein Leben. lch hörte Schüsse; ich drehte mich um und sah, wie mein Fahrer zusammenbrach. Ich stürzte vorwärts, suchte Schutz hinter Bäumen und Büschen. Sie verfolgten mich und schrien hinter mir her, einige Schüsse gingen an meinem Kopf vorbei. Ich wechselte dauernd die Richtung. Durch diese Täuschungen und unter dem Schutz der Dämmerung gelang es mir, zu entkommen .

Da ich die Karte vor dem Abmarsch aus Limoges gut studiert hatte, wußte ich, daß ich die Eisenbahnlinie Bellac-Limoges erreichen mußte. Das gelang mir auch, und am anderen Morgen, am 10. Juni, traf ich auf dem Gefechtsstand von Limoges ein.

Ich meldete mich beim Regimentskommandeur Stadler und schilderte den Vorgang. Er sagte mir, daß ich nicht der einzige gewesen sei, der tags zuvor angegriffen und gekidnappt worden sei. So erzählte er mir von dem Kommandeur des III. Bataillons „Der Führer“ namens Kämpfe, der noch nicht zurückgekehrt und wahrscheinlich umgebracht worden sei. Mir befahl der Regimentskommandeur, mich auszuschlafen, da noch schwierige Märsche bevorstanden.

Als ich wieder auf war, ließ mich der Kommandeur des 1. Bataillons „Der Führer“, Diekmann, auf der Karte den Ort meiner Gefangennahme und den Weg bis zur Erschießung meines Fahrers zeigen. Er ging bald darauf mit der 3. Kompanie unter Führung des Hauptmanns Kahn fort, mit dem Ziel Oradour-sur-Glane“…

Die Ereignisse in Tulle

Ein grauenhaftes Gemetzel an deutschen Soldaten.

Am 9. Juni 1944 waren bei der Wiedereinnahme der Stadt Tulle durch die Pz.Aufkl.Abt.2 „Das Reich“ die Leichen von mindestens 40 deutschen Soldaten des III.Btl./Sicherungs-Rgt. 95 vor ihrer Unterkunft, einer ehemaligen Schule, entsetzlich verstümmelt und schrecklich zugerichtet, aufgefunden worden. Nach Augenzeugenberichten von Einwohnern der Stadt hatten sich die deutschen Soldaten den Maquisards ergeben, als diese die Schule an Brand gesteckt hatten. Sie hatten die Waffen niedergelegt und kamen mit erhobenen Händen heraus. Vor dem Gebäude aber seien sie zusammengeschossen worden. Auf der Straße lagen in einigen Haufen tote deutsche Soldaten ohne Waffen; lediglich ein SD-Angehöriger, der zwischen anderen Leichen auf einer Treppe lag, hatte eine Pistole in der Hand. Einige Gewehre lagen zerbrochen am Torausgang. Eine Gruppe von etwa acht toten Soldaten lag völlig verknäult an und unter einem LKW. Im Hofe des Gebäudes lagen ebenfalls noch einige Tote des deutschen Bataillons. Ob und wieviele Leichen noch unter den Trümmern der Schule lagen, konnte nicht geklärt werden. Nach Angaben des Sicherungsbataillons wurden 80 Mann vermißt. Im Laufe des Tages konnten weitere Tote geborgen werden. Die Gesamtzahl der bis zum 10.6.1944 in Tulle aufgefundenen toten deutschen Soldaten betrug 64. Diese Zahl ist authentisch. Die Toten der Pz.Aufkl.Abt vom 8 und 9.6. — neun Tote — sind darin nicht inbegriffen. Damit belief sich die Gesamtzahl auf 73 tote deutsche Soldaten. Einzelne trugen offensichtlich als Schutz gegen den Rauch der in Brand gesetzten Schule noch die Gasmaske. Einwohner von Tulle berichteten, daß die Maquisards, unter denen sich auch Polen Rotspanier und sogar vier Russen in Uniform befunden hätten, uber noch lebende deutsche Soldaten mit Lastwagen hinweggefahren seien. Die Leichen waren teilweise bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und konnten zum Teil nicht identifiziert werden. Bei einem Toten wurde festgestellt, daß ihm beide Fersen durchbohrt und durch die Sehnen ein Strick gezogen war. Offenbar war er auf diese Weise mit dem LKW zu Tode [19] geschleift worden, daher auch die schrecklichen Gesichtsverletzungen. Die Toten hatten mehrere Einschüsse, meist im Rükken und im Hinterkopf.

Begleiterinnen der Maquisards hatten nach Augenzeugenberichten einer Einwohnerin die Leichen der deutschen Soldaten mit Kot besudelt. Nach dem Gemetzel wurde offensichtlich eine grausige Orgie gefeiert, wie zerbrochene Weinflaschen bekundeten, bei der die betrunkenen Maquisards mit deutschen Stahlhelmen „Fußball spielten“. Einigen Toten waren die Geschlechtsteile abgeschnitten und in den Mund gesteckt worden.

„An der Friedhofsmauer von Tulle waren außerdem zehn oder zwölf deutsche Soldaten erschossen worden, wie später zwei französische Geistliche vor dem Ständigen höheren Militärgericht in Bordeaux aussagten.“

Dieses Gemetzel geschah am 7. Juni durch die Maquisards, obwohl ein Abbé diese auf die Irregularität ihres Handelns hingewiesen hatte.

Die aufgefundenen verstümmelten Leichen sind von dem Chirurgen der Sanitätskompanie „Das Reich“, Stubaf. Dr. Roschmann, vom Divisionsarzt, Stubaf. Dr. Priebe und vom Arzt des Sicherungs-Bataillons 95 besichtigt, die Verstümmelungen festgehalten und vom Ic der Division, Hstuf. Kowatsch, fotografiert worden. Der Bericht darüber wurde von der Division als besonderes Vorkommnis an das LXVI. (66.) Res.Korps abgegeben.

In einem Lager der französischen Polizei wurden Waffen und Munition englischer Herkunft gefunden. Wie zu erfahren war, standen der Polizeichef von Tulle und ein Garagenmeister auf der Seite der Maquisards.

Aus Sicherheitsgründen wurden zunächst alle in Tulle angetroffenen Männer auf dem Hof der Munitionsfabrik inhaftiert. Unter Mitwirkung des Bürgermeisters, von Verwaltungsbeamten der Präfektur und des Leiters der Munitionsfabrik wurden die ortsfremden und verdächtigen Männer durch den Ic, Hstuf, [20] Kowatsch, ausgesucht. Alle übrigen wurden im Laufe des Tages freigelassen.

Nach Auffassung der deutschen Kommandobehörden und auf Grund der Angaben der französischen Ortsbehörden handelte es sich bei den Maquisards in Tulle um kommunistische Banden, die großenteils aus Rotspaniern, Polen und französischen Kommunisten bestanden, die auch die Bevölkerung terrorisierten und letzten Endes für die Verbrechen an deutschen Soldaten verantwortlich waren. Deshalb wurde auch von deutscher Seite die Zlvilbevölkerung von Tulle in einem Aufruf zur legalen Mitarbeit bei der Bekämpfung des „gemeinsamen Feindes“ aufgerufen.

Von den der Mitwirkung an diesem Verbrechen Verdächtigen wurden 120 ausgesucht, die entsprechend den völkerrechtlichen Bestimmungen zur Sühne für die Ermordung von 64 deutschen Soldaten standrechtlich erhängt werden sollten.

Es handelte sich nicht um „Geiseln“, sondern um Freischärler die nach dem völkerrechtlich gültigen Waffenstillstandsvertrag von 1940 ohnehin des Todes waren. Lediglich die Todesart hatte also Repressalcharakter. Überdies herrschte seit 8.6.44 der Ausnahmezustand, und das Korps hatte die Repressalie befohlen .

Von diesen wurden jedoch auf Grund von Fürsprachen noch weitere junge Franzosen von der Exekution zurückgestellt.

So wird u. a. in „Histoire pour tous“ vom Oktober 1967 darüber berichtet:

Ein junger SS-Soldat überbringt dem SD-Dolmetscheroffizier Walter, welcher die Auslese der hundertundzwanzig Aufzuhängenden regelt, eine Nachricht. Als dieser junge Soldat an der Gruppe der nächsten Todeskandidaten vorbeigeht, wird er von einem jungen Mann aus der Gruppe angesprochen. Der Franzose versucht, den deutschen Soldaten dazu zu bringen, bei dem SD-Leutnand um Gnade für ihn zu bitten. Was dann geschieht, liest sich wörtlich so:

„Mit erschüttertem Gesicht nimmt der Soldat ihn am Arm und führt ihn vor Walter. Der stimmt mit einem Kopfnicken zu. Die beiden Jünglinge, der eine behelmt, gestiefelt und bewaffnet, der andere in Arbeitskleidung, umarmen sich weinend. Der Abbé Espinasse nähert sich Walter, der bewegt scheint. „Was dieser Soldat getan hat, braucht sie nicht zu erstaunen“ sagt Walter, wie um seine Geste zu entschuldigen, „er ist ein Elsässer.“

Der gleiche Elsässer, Sadi Schneid, hat noch einen weiteren jungen Franzosen vor dem Strang bewahrt.

Schließlich blieben noch 99 Verdächtige übrig. Die Durchführung der Exekution lag in den Händen des Ic, Hstuf.Kowatsch, dem dazu ein Pionierzug der Pz.Aufkl.Abt. zur Verfügung gestellt wurde. Sie fand zwischen 16.00 Uhr und 18.00 Uhr statt.

Die Hinrichtungsart des Erhängens wurde deshalb gewählt, weil die Maquisards durch ihre gemeine Kampfesweise einen Gegner, der durch Genfer Konvention und Völkerrecht, sowie durch den deutsch-französischen Waffenstillstandsvertrag von 1940 geschützt war und der sich ergeben hatte, mit viehischer Grausamkeit niedergemacht, gequält, verstümmelt und geschändet hatten. Sie stellten sich dadurch außerhalb der Gesetze des Krieges und der Menschlichkeit. Dadurch kam nach deutscher Auffassung die soldatische Hinrichtungsform durch Erschießen nicht in Frage. Die Exekution durch Erhängen sollte außerdem abschreckend auf die Maquisards und auf die Bevölkerung wirken.

Auf Bitten des greisen Bischofs von Tulle, der beim Divisionsgefechtsstand vorsprach, wurde den Terroristen vor der Hinrichtung geistlicher Beistand und ein christliches Begräbnis zugesichert, das anschließend auf dem Friedhof stattfand.

Am gleichen Tage — 9.6.1944 — erhält beim Regiment „DF“ in Limoges das III.(gep.)/DF unter Sturmbannführer Kämpfe auf Befehl des LXVI.(66.) Res.A.K. den Auftrag, die etwa 60 km nordostwärts seines Unterkunftsraumes gelegene Stadt Gueret zu erreichen und die dort von Maquisards eingeschlossene deutsche Garnison zu befreien.

Wegen der erheblichen Entfernungen zu den Bataillonen und auf Grund des stark durchschnittenen, hügeligen und [22] bewaldeten Geländes kommt keine Funkverbindung zu den Bataillonen zustande, so daß diese anhand ihrer Aufträge im wesentlichen selbständig operieren müssen. Da einzelne Kradmelder und andere Einzelfahrzeuge wegen der Überfälle der Maquisards nicht mehr eingesetzt werden können, kann die Verbindung lediglich durch schwer bewaffnete Ordonnanzoffiziere mit SPW (Schutzenpanzerwagen) oder im Verband mehrerer Fahrzeuge aufrecht erhalten werden. Das Regiment erhält dadurch nur spärliche Meldungen.

Der Einsatz des III. (gep.) /DF.

In der Nacht vom 9./10.6. kommt der Truppenarzt des III./DF Obersturmführer Dr. Müller, mit einigen Männern in seinem SPW zum Regimentsgefechtsstand mit der Hiobsbotschaft:

„Sturmbannführer Kämpfe ist den Terroristen in die Hände gefallen.“

Außerdem berichtet er über die Ereignisse vom 9.6. beim III./DF:

Gueret war am 7. Juni von Maquisards besetzt worden und der gesamte Stab der Ortskommandantur in Gefangenschaft geraten.

Am 8. Juni hatte schon eine deutsche Heereseinheit, die aus Richtung Montlucon gekommen war, versucht, die Stadt zu befreien, war aber vor starkem Widerstand der in den Häusern verschanzten Maquisards liegengeblieben.

Am 9.6. wurde der Angriff, von Flugzeugen unterstützt, aus ostwärtiger Richtung fortgesetzt, während das III./DF aus entgegengesetzter Richtung auf Gueret vorstieß.

Das Bataillon war gegen Mittag aufgebrochen und stieß noch im Laufe des Vormittags, noch vor Erreichen der Stadt, in dichtem Wald und auf kurvenreicher Strecke auf zwei entgegenkommende LKW mit bewaffneten Franzosen auf dem Führerhaus. Diese eröffneten sofort das Feuer. Der Gruppenführer des ersten Schützenpanzerwagens wurde durch Kopfschuß schwer verwundet.

Darauf eröffneten die ersten Fahrzeuge des III./DF sofort aus allen Rohren das Feuer. Tragischerweise stellte sich anschließend heraus, daß die Insassen der LKW Deutsche waren — Stabshelferinnen, Heeresoffiziere- und Beamte und einige Soldaten, die offensichtlich aus der inzwischen von Osten her befreiten Stadt nach Westen abtransportiert werden sollten. Ein oder zwei Deutsche wurden getötet, eine Französin, die in deutschen Diensten stand, wurde durch Bauchschuß verwundet. Die übrigen Verwundeten hatten verhältnismäßig geringfügige Verletzungen davongetragen, mehrere blieben unverletzt.

Als die ersten Teile des Bataillons an den Stadtrand von Gueret kamen, war der Ort bereits wieder in den Händen der deutschen Truppen. Bei Sonnenuntergang hatte sich das Bataillon in einem Ort vor Gueret gesammelt. Die schwer verwundete Französin wurde in das dortige Krankenhaus eingeliefert. Sturmbannführer Kämpfe gab Obersturmführer Dr. Müller den Auftrag, mit den Verwundeten in die Unterkunft zum Troß zu fahren. Als dieser mit seinem SPW abfuhr, überholte ihn etwa gegen 20.00 Uhr Stubaf. Kämpfe, allein am Steuer eines schnellen Talbot, winkte ihm zu und brauste davon.

Er war der Marschkolonne vorausgefahren, um dem Bürgermeister einer am Marschweg des Bataillons gelegenen Ortschaft seinen Dank dafür auszusprechen, daß er eine zerstörte Brücke auf Kämpfes Weisung hin im Laufe des Tages hatte wieder herstellen lassen.

Sturmbannführer Kämpfe verschwunden

Nach wenigen Minuten — inzwischen war es dämmrig geworden — fand Dr. Müller am Waldrand den leeren Wagen seines Kommandeurs mit laufendem Motor und offener Türe auf der Straße stehen. Ein leeres MPi-Magazin lag unter dem Wagen. Kampf- und Blutspuren waren nicht zu entdecken.

Etwa zehn Minuten später kam die Spitze des Bataillons an. Der an der Spitze fahrende Adjutant, Ostuf. Weyrauch, ordnete trotz einbrechender Dunkelheit ein Durchkämmen des Waldes an und schickte Ostuf. Dr. Müller zur Erstattung der erforderlichen Meldung zum Regiment nach Limoges. Funkverbindung kam nicht zustande. Alles Suchen war vergebens. Kämpfe blieb verschwunden .

Ostuf. Manz übernahm vorläufig die Führung des III./DF. Die Nachricht von der Verschleppung des hervorragenden und allgemein beliebten Kommandeurs rief im ganzen Regiment Empörung und Erbitterung hervor. Sein Verschwinden war in soldatischer und menschlicher Hinsicht ein schwerer Verlust für das Regiment und für die Division; denn er war einer der SPWSpezialisten und der Kommandeur des einzigen SPW-Bataillons in der Division. Sämtliche Einheiten wurden über diesen Fall unterrichtet und mit Nachforschungen in ihrem Unterkunftsbereich beauftragt, die jedoch alle ergebnislos verliefen.

Inzwischen teilte die SD-Dienststelle Limoges dem Regiment mit, daß sich nach Berichten ihrer französischen Verbindungsleute in Oradour-sur-Glane ein Gefechtsstand des Maquis befände.

In den Abendstunden erhält Stubaf. Weidinger, der zur informatorischen Dienstleistung zum Regimentsstab „DF“ kommandiert war, von Staf. Stadler den Auftrag, mit einem Kradschützenzug zum Divisionsstab nach Tulle zu fahren und die Meldung vom Verschwinden von Stubaf. Kämpfe sowie wichtige Versorgungsmeldungen zu überbringen. Außerdem sollte er die Lage beim Regiment „DF“ mündlich schildern. Die Fahrt war notwendig geworden, da die Funkverbindung wegen der großen Entfernung und des durchschnittenen Geländes unterbrochen war.

Die nächtliche Fahrt von ca.130 km durch partisanenverseuchtes Gelände verlief überraschenderweise völlig ungestört. Der Kradschützenzug erreichte gegen 0.30 Uhr Tulle.

Beim Divisionsstab erfuhr Stubaf. Weidinger auch den Grund für die piötzliche „Zurückhaltung“ der Terroristen. Er lag in den Ereignissen des 8. und 9. Juni in Tulle, wo — wie bereits geschildert — als Sühne für die mindestens 64 bestialisch ermordeten deutschen Soldaten 99 der Tat verdächtige Franzosen standrechtlich erhängt wurden. Dies hatte offensichtlich bei den terroristischen Maquisards einen allgemeinen Schock ausgelöst, was ja auch beabsichtigt war.

Wenn die Maquisards der Überzeugung waren, für die Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung zu kämpfen, dann mußten sie damit rechnen, daß ein solcher Kampf sie schwere Opfer kosten würde. Für die deutsche Führung war es selbstverständlich, daß sie zum Schutz von Leib und Leben der ihr anvertrauten Soldaten gegen die völkerrechtswidrige und [25] bestialische Kampfesweise der Maquisards mit sühnenden und abschreckenden Gegenmaßnahmen antworten mußte.

Wie später bekannt wurde, waren am 9. oder 10. Juni 1944 in einem Wäldchen bei Naves (ca. 10 km nördlich Tulle) 62 weitere deutsche Soldaten, darunter Sanitäts- und Eisenbahnpersonal den Terroristen in die Hände gefallen. Auch sie wurden ebenfalls erschossen und verscharrt. Ihre Gräber wurden bis heute nicht gefunden.

Damit erhöhte sich die Zahl der im Raum Tulle ermordeten Deutschen auf mindestens 126 und mit den Toten-der Aufkl.Abt. auf 135.

Im Herbst 1944 meldete ein alliierter Sender zum Fall Tulle, daß die französische Resistance zur Vergeltung für die Exekution vom 9.6.1944 in Tulle deutsche Angehörige einer „Gendarmeriekompanie“ dort erhängt habe. (Die Tatsache der Meldung steht fest. Allerdings sind die Angaben über den Sender und das genaue Datum der Meldung nicht mehr eindeutig festzustellen. Die Meldung wurde damals vom Ic der Division abgehört.)

In einigen weiteren Orten konnten eingeschlossene deutsche Kommandos befreit werden, bevor sie in die Hände der Maquisards fielen.

In der Division gab es noch einige Tote, darunter vier Mann eines Feldgendarmerietrupps der Division. Als in Uzerche in einem gestoppten Wagen mit Maquisards bei einem dieser Männer die Brustschilder der Feldgendarmerie gefunden wurden, die er als „Souvenir“ behalten hatte, wurde dieser auf Befehl des Divisionskommandeurs, der sich zu dieser Zeit beim Artillerieregiment befand, in Uzerche erhängt. Die beiden anderen Maquisards wurden der Sicherheitspolizei übergeben.

Die rechte Marschgruppe A (Panzer-Regiment und PionierBataillon Schmelzer) erreichte gegen Abend ihre Unterkunftsräume im Divisionsbereich im Raum Tulle.

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Quellen: Metapedia – vho.org

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