Rudolf Hess und der Englandflug am 10. Mai 1941

Rudolf Hess – hier in der schwarzen Uniform eines SS-Gruppenführers und Generalleutnant der Waffen-SS

In der nationalsozialistischen Zeit in Deutschland war Rudolf Hess aktiv organisatorisch an der Ausarbeitung der Nürnberger Gesetze beteiligt. Er sorgte im besetzten Polen für eine größtmögliche Trennung von Deutschen und Polen und setzte ein rassisches Sonderrecht durch.

Am 10. Mai 1941 flog Rudolf Hess mit einer Messerschmitt Bf 110 nach Schottland, um mit dem Anführer – so glaubte er jedenfalls – der englischen Friedensbewegung, Douglas Douglas-Hamilton, 14. Herzog von Hamilton, über einen Frieden zu verhandeln. Dabei wurde er als Parlamentär völkerrechtswidrig verhaftet und geriet somit in britische „Kriegsgefangenschaft“. Jüdische Psychiater der Londoner Tavistock-Klinik für Psychoanalyse wie Henry Dicks verhörten den Inhaftierten.

Rudolf Hess mit seinem Sohn Wolf Rüdiger

Sein Flug wurde nach dem Scheitern von Verhandlungen vor der deutschen Öffentlichkeit als Verrat gewertet und Rudolf Hess wurde daraufhin zur Wahrung der deutschen Interessen in der Öffentlichkeit als „verwirrt“ und als Opfer von „Wahnvorstellungen“ hingestellt. Hess‘ eigentliches Ziel war es sicher, einen Zweifrontenkrieg mit Großbritannien und der Stalin-UdSSR zu verhindern, den er als „selbstmörderisch für die weiße Rasse“ bezeichnete und deren kulturelle Hegemonie er erhalten wollte. Umstritten ist bis heute, ob Rudolf Hess auf eigene Faust, oder mit Wissen bzw. sogar auf Anweisung Hitlers, nach England flog. Der britische Publizist Martin Allen vertritt die Ansicht, dass Adolf Hitler zumindest von dem Vorhaben gewusst haben muss, da sich beide noch kurz zuvor auf dem Obersalzberg getroffen hatten. Dies wird auch in der Dokumentation Geheimakte Hess so ausgeführt. Adolf Hitler selbst hatte angesichts der unzähligen Friedensangebote England gegenüber Rudolf Hess einmal öffentlich geäußert:

„Ja soll ich denn noch selbst da rüber fliegen und auf die Knie fallen.“ 

Offenbar griff Rudolf Hess diesen Gedanken auf und verwirklichte ihn in seiner Funktion als Stellvertreter des Führers, glaubend (oder wissend) in dessen Auftrag zu handeln oder handeln zu können.

Der Chef der Gestapo, Heinrich Müller sagte nach dem Krieg zu seiner Kenntnis vom Vorfall auf die Frage hin, „dass Rudolf Hess von den Briten unmenschlich behandelt wurde. Er wurde gefoltert, und man brach ihm sein Bein.“:

Das überrascht mich gar nicht. Sie sollten mal die Berichte sehen, die wir den britischen Mordkommandos in Dieppe abnahmen. Der Mord an Kriegsgefangenen, die Tötung von Franzosen, die uns gegenüber eventuell freundlich eingestellt waren, das Vergiften von Quellen, der Mord an Kindern – und alles sah so aus, als hätten wir es gemacht. Nein, mich kann wirklich nichts mehr überraschen, wenn es um die Grausamkeit der Briten geht. Und dabei tun sie so, als hielten sie alleine die Standarte der Freiheit und Demokratie hoch. (…) Sie können mir glauben, daß es Hess mit den Friedensverhandlungen mit England ernst war. Ich bin alle seine Unterlagen sorgfältig durchgegangen und habe mir die Verhöre mit seiner Frau, seinen Freunden, Mitarbeitern usw. erneut angehört. Hess kannte nur ein Motiv für seine Tat: Er wollte mit England Frieden schließen. Ich bin mir auch sicher, dass die Briten dies sehr wohl wussten, als sie ihm das Bein brachen.

Heinrich Müller vertrat die Ansicht, dass Adolf Hitler von den Flugplänen keine Kenntnis gehabt haben soll.

Im Gegensatz dazu sagte nach den Aufzeichnungen des SS-Obergruppenführers Karl Wolff Adolf Hitler am 18. April 1945 zu diesem, als er Weisungen zur Behandlung etwaiger US-amerikanischer Parlamentäre gab:

„Sie wissen, dass ich Sie im Falle eines Mißerfolges genau so verleugnen würde und müsste, wie ich das seinerzeit bei Heßss tat.“

Das Scheitern des Hess-Fluges ließ, mitten im Kriege, keine andere glaubhafte Begründung zu, als die Erklärung mit einer vorgeblichen „geistigen Umnachtung“, da alles andere als Schwäche Deutschlands seitens seiner Kriegsgegner gewertet worden wäre.

Bereits zuvor glaubte Rudolf Hess in Absprache mit den Professoren Karl und Albrecht Haushofer, in Samuel Hoare, dem britischen Botschafter mit Sondervollmachten in Spanien, einen möglichen Friedensvermittler gefunden zu haben, nicht allein deswegen, weil dieser sich bislang stets gemäßigt geäußert hatte, sondern auch weil Hoare fast an Stelle Churchills im Mai 1940 Premierminister geworden wäre. So flog Rudolf Hess bereits zwischen September 1940 und Januar 1941 nach Spanien und mehrmals in die Schweiz, um dort unter vier Augen Gespräche mit Hoare führen zu können. Dabei hinterließ er für den Fall, dass er nicht zurückkehren würde, in seinem Hause in München-Harlaching Abschiedsbriefe an die Familie. Einer davon ist datiert auf den 4. November 1940:

„Meine Lieben, ich glaube fest daran, dass ich von dem Flug, den ich nächster Tage antrete, zurückkehre und dass der Flug von Erfolg gekrönt sein wird. Wenn aber nicht, so war das Ziel, das ich mir stellte, des vollen Einsatzes wert. Ich weiß, daß Ihr mich kennt: Ihr wisst, ich konnte nicht anders handeln. Euer Rudolf.“

Bereits im Jahre 1963 schrieb der Spiegel über das Buch von James Leasor „Botschafter ohne Auftrag. Der Englandflug Rudolf Hess’“:

Adolf Hitler in Deutschland wusste noch nicht, dass Hess gelandet war. Erst am Sonntagmorgen überreichte ihm Hess-Adjutant Karlheinz Pintsch auf dem Berghof bei Berchtesgaden den versiegelten Brief (…), Hitler reagierte zunächst gar nicht. Bodenschatz nannte Hitlers „Überraschung und Empörung“ später „hervorragend gespielt“. (…) Die deutsche Öffentlichkeit erfuhr erst am Montagabend, daß Hess vermisst wurde und wahrscheinlich ein Opfer pazifistischer Halluzinationen geworden sei. Diese offizielle Version notierte der italienische Außenminister Graf Ciano in seinem Tagebuch. Hitlers Zögern wertete Leasor als Indiz dafür, dass der Führer in Wirklichkeit nicht so überrascht war und bis Montag abwartete, ob sich ein Erfolg der Hess-Mission abzeichnete. Als England schwieg, ließ er seinen Gefolgsmann fallen. Zur Erhärtung dieser Version führt Leasor den Parallelfall des Mussolini-Befreiers Otto Skorzeny an, dem Hitler gesagt hatte, er werde sich von ihm distanzieren, wenn Skorzenys tollkühnes Unternehmen misslinge.

Gedenkstein mit folgender Inschrift: „Dieser Stein markiert die Stelle, wo der tapfere, heroische Rudolf Hess in der Nacht des 10. Mai 1941 mit dem Fallschirm landete, bei dem Versuch, den Krieg zwischen Britannien und Deutschland zu beenden.“

Darüber hinaus schildert Pintsch die Aussage von Rudolf Hess: Der Führer weiß nicht, dass ich gerade heute Abend diesen Versuch unternommen habe… aber sein vordringlichster Wunsch ist es, Frieden mit England zu schließen. Er, Hess, habe die Möglichkeiten oft mit dem Führer, Professor Haushofer und dessen Sohn Albrecht diskutiert. Alle seien der Auffassung, man müsse möglichst rasch einen direkten Kontakt herstellen, um das Blutvergießen zwischen zwei germanischen Völkerstämmen zu stoppen.

Als Rudolf Hess nach England geflogen war, ernannte Adolf Hitler keinen neuen „Stellvertreter des Führers“. Stattdessen wurde Hess‘ Dienststelle in „Parteikanzlei“ umbenannt und Hess‘ Stabsleiter Martin Bormann unterstellt, der gleichzeitig mit den Befugnissen eines Reichsministers ausgestattet wurde.

Selbst das linksextreme Wochenmagazin „Der Spiegel“ musste nach jahrzehntelanger Leugnung im Jahre 2011 unter der Überschrift „Wahnsinn und Wahrheit – War der legendäre Flug von Rudolf Hess nach Großbritannien 1941 mit Adolf Hitler abgestimmt? Die neu aufgetauchte Aussage eines Hess-Adjutanten stützt diese These“ wenn auch unter dem üblichen politisch korrekten Geschwafel eine angeblich „neue“ Erkenntnis verkünden, über die dasselbe Magazin bereits 50 Jahre zuvor berichtet hatte, und zugeben:

(…) Bislang ging die historische Forschung davon aus, Hitlers Stellvertreter sei auf eigene Faust gestartet. „Hess handelte ohne Hitlers Wissen, aber in der tiefen, wenn auch konfusen Überzeugung, seine Wünsche auszuführen“, urteilt etwa der britische Hitler-Biograf Ian Kershaw. Doch nun wirft ein unbekanntes Dokument ein neues Licht auf Hess‘ legendären [Flug]: ein 28-seitiger handschriftlicher Bericht, den der Historiker Matthias Uhl vom Deutschen Historischen Institut Moskau im Staatsarchiv der Russischen Föderation entdeckt hat. Verfasst hat ihn im Februar 1948 ein Mann aus Hess‘ nächster Nähe: sein Adjutant Karlheinz Pintsch, der von 1945 bis 1955 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft saß. (…) er hatte tags darauf Adolf Hitler auf dem Obersalzberg wecken lassen, um ihm ein Schreiben zu überreichen. Es begann laut Augenzeugen mit den Worten:

„Mein Führer, wenn Sie diesen Brief erhalten, bin ich in England.“ Entgegen der gängigen Meinung habe Hitler, so Pintsch, die Nachricht keinesfalls tobend aufgenommen: „Hitler hörte mit Ruhe meine Meldung an und entließ mich ohne eine Bemerkung.“

Der Führer sei längst eingeweiht gewesen, behauptet der Adjutant in dem Bericht, denn Berlin habe schon seit längerem mit London verhandelt. Der Flug sei in „vorheriger Übereinkunft mit den Engländern erfolgt“. Hess‘ Aufgabe sei es gewesen, „mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln, wenn schon nicht ein Militärbündnis Deutschlands mit England gegen Russland, so doch wenigstens eine Neutralisierung Englands zu erreichen“.

Muss ein Teil der Geschichte des Zweiten Weltkriegs also neu geschrieben werden? Handelte es sich bei dem Manöver etwa doch um offizielle Diplomatie? Das neue Dokument stützt jedenfalls diejenigen, die an die Version des einsamen Überzeugungstäters nie geglaubt haben; so hatte schon Hitlers Kammerdiener Heinz Linge nach dem Krieg erzählt: „Ob er von Hess‘ Englandflug gewusst habe, wagte ich ihn nicht zu fragen; aber sein Verhalten sagte mir: Er hat es nicht nur vorher gewusst, sondern Hess wahrscheinlich sogar nach England geschickt.“

Ähnliches berichteten auch Gauleiter Ernst Wilhelm Bohle von der Auslandsorganisation der NSDAP und Hermann Görings Adjutant Karl Heinrich Bodenschatz, die beide in den Tagen, als Hitler die Nachricht vom Hess-Flug erhielt, auf dem Obersalzberg weilten. (…) Drei Tage nach dem Flug las Parteikanzlei-Leiter Martin Bormann den versammelten Reichs- und Gauleitern Hess‘ Abschiedsbrief an den Führer vor. Dann appellierte Hitler an die Treue seiner Mitkämpfer. Hess habe einen „beispiellosen Vertrauensbruch“ begangen, sagte er. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels schmähte den Stellvertreter als „Narren“ und „geistig Zerrütteten“. In einem Kommunique hieß es, Hess sei „Opfer von Wahnvorstellungen“ geworden.

Schon Zeitgenossen hielten die offizielle Version vom plötzlichen Irrsinn des Stellvertreters für fragwürdig. Pintsch, der Zeuge von Hess‘ akribischen Vorbereitungen gewesen war und keine Anzeichen von Wahnsinn bemerkt hatte, wurde verhaftet. Aus dem Gestapo-Gefängnis in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße verlegte man ihn ins Konzentrationslager Oranienburg und von dort an die Ostfront. Bei Kriegsende geriet der Adjutant in sowjetische Gefangenschaft, wo er vom Geheimdienst nach den Geschehnissen im Frühjahr 1941 befragt wurde. Nach Recherchen des Historikers Uhl gingen Abschriften seiner Aussagen unter anderem an Diktator Josef Stalin, Außenminister Wjatscheslaw Molotow und Lawrentij Berija, den Chef des Geheimdienstes. (…)

……….

Der 7-Punkte-Friedensplan des Rudolf Hess, 10. Mai 1941

Die wichtigsten Konzessionen, die Adolf Hitler einzuräumen bereit war, ohne zu verhandeln:

  1. Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien und Frankreich werden wieder unabhängige Staaten, die ihre Verfassung wie ihre Regierung selbst bestimmen werden.
  2. Deutschland ist bereit, den Ländern Reparationen zu leisten, die durch den Westfeldzug in Mitleidenschaft gezogen wurden, obgleich die Westmächte Deutschland den Krieg erklärt hatten.
  3. Alle Angriffswaffen sollten zerstört und die Streitkräfte der kriegführenden Staaten auf ein Maß zurückgeführt werden, das den wirtschaftlichen und strategischen Erfordernissen des jeweiligen Landes entspricht.
  4. Das Deutsche Reich fordert seine alten Kolonien mit Ausnahme von Südwestafrika zurück, entschädigt aber die inzwischen zumeist britischen Eigentümer, wenn sie diese wieder verlassen wollen.
  5. Ein polnischer Staat wird in seinen ethnischen Grenzen wiederhergestellt; diese Zusage kann allerdings nur für den von Deutschen besetzten Teil gemacht werden.
  6. Die Tschechei verbleibt weiterhin als Protektorat beim Deutschen Reich, aber die Tschechen können ihre Sprache und ihren Nationalcharakter frei ausbilden.
  7. Für das Nachkriegseuropa soll eine Art wirtschaftlicher Solidarität zur Lösung der anstehenden Wirtschaftsfragen in Erwägung gezogen werden, bei denen möglichst europaweite Übereinkünfte ins Auge zu fassen sind.

Diese Vorschläge ähneln stark den Vorschlägen, die Adolf Hitler bereits 19 Monate zuvor in seiner Rede vom 06. Oktober 1939 gemacht hatte.

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Quelle: Metapedia.

4 thoughts on “Rudolf Hess und der Englandflug am 10. Mai 1941

  1. gefunden (leider in Englisch): It’s kept quiet, but Hitler made at least one attempt to rescue Rudolf Hess. In the early hours of the 26th May 1941 – just over two weeks after the Deputy Führer landed in Britain on his failed peace mission – a team of German paratroopers landed in England under cover of a simultaneous bombing raid nearby.

    The attempt was unsuccessful, as Hess wasn’t being held where they thought he was (he was being held at Mytchett Place, not the RAF interrogation centre at Cockfosters), and the British were expecting them – having intercepted a message on German radio.

    At least two of the Germans troops were captured. They were both shot a short time after capture.

    -The Hidden World

    Source: „Rudolf Hess – The Uninvited Envoy“ (1962) by James Leasor

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