Das Unternehmen „Merkur“ (Luftlandeschlacht um Kreta)

Unternehmen „Merkur“ (auch: Luftlandeschlacht um Kreta) war der Deckname für die deutsche Luftlandeoperation auf Kreta vom 20. Mai bis zum 1. Juni 1941 während des Zweiten Weltkrieges. Sie war in der Kriegsgeschichte die erste große militärische Operation dieser Art. Nach der Einnahme Griechenlands im Verlauf des Balkanfeldzuges 1941 wurde die von alliierten Truppen verteidigte Insel Kreta durch die deutsche Wehrmacht erobert und blieb bis 1945 besetzt.

Kreta_strategische_Lage_1941
Als deutsche Verbände Griechenland im Handstreich eroberten, ließen die britischen Expeditionsstreitkräfte (wie schon in Frankreich 1940) ihre griechischen Waffenkameraden im Stich und flüchteten nach Kreta und Ägypten. Den Kretern, die kaum Kontakt zum Festland hatten, erzählten sie als Teil ihrer Propagandamaschinerie frei erfundene Gruselgeschichten über das Vorgehen und Verhalten deutscher Soldaten in und um Athen (Hunnen (Kriegsrhetorik)) und stießen bei den leichtgläubigen Inselbewohnern auf willige Abnehmer. Die Insel Kreta nahm aufgrund ihrer strategischen Lage eine Schlüsselposition für die Engländer im Mittelmeer ein, deshalb musste die Wehrmacht die Briten mit allen Mitteln vertreiben

……….

Lagebild

Schon Ende April 1941 wussten die Engländer, dass die deutsche Luftwaffe die Eroberung Kretas vorbereitet. Sie hatten schon den Funkverkehr des Gegners entschlüsselt. Um endlich einen Sieg zu erringen befahl Churchill die Insel zu halten. Der Großteil der australischen, englischen, griechischen (hier auch Milizverbände und Zivilisten) und neuseeländischen Truppen standen schon zuvor auf dem Festland im „Kampf“ und ließen bei ihrer Flucht schwere Waffen, Transport- und Nachrichtentechnik zurück. Ersatz aus Palästina oder Ägypten konnte bei der deutschen Luftherrschaft nur bedingt bei Nacht angelandet werden. Auf deutscher Seite übernahm die Luftflotte 4 die Planungsleitung für die Schlacht aller drei Dimensionen und damit die Koordination von Heeres-, Kriegsmarine- und Luftwaffenverbänden.

Auf deutscher Seite war ein schneller und kontrollierter Angriff von Gebirgs- und Fallschirmjägern vorgesehen. Diese waren gut ausgebildet und besaßen aufgrund ihrer ausschließlich leichten Ausrüstung zwar nur eine geringe absolute Feuerkraft, jedoch bedingt durch ihre hohe Mobilität und Motivation sowie ihren ausgeprägten Korps- und Kampfgeist einen hohen Einsatzwert.

Junge,_angespannte_Gebirgsjäger_auf_dem_Weg_zu_ihrem_Luftlandeeinsatz_auf_Kreta
Junge, angespannte Gebirgsjäger der 5. Gebirgs-Division auf dem Weg zu ihrem Luftlandeeinsatz auf Kreta

.
Die Deutschen verfügten über 15.000 Fallschirmjäger der 7. Flieger-Division, die nach der Eroberung eines Flugfeldes von etwa 14.000 Gebirgsjägern der 5. Gebirgs-Division und 700 Kradschützen der 5. Panzerdivision durch Lufttransporte unterstützt werden sollten. Weitere Verstärkung sollte dann auch über See angelandet werden. Dazu kam Unterstützung von 46 Kampf- und 16 Jagdflugzeugen der Italiener von den Dodekanes.

Für die Überführung dieser Kräfte nach Kreta war Generalmajor Rudolf Konrad verantwortlich, der zehn Kampfgruppen zur besonderen Verwendung (z. b. V.) mit 550 Transportmaschinen Ju 52 und 60 Lastenseglern zur Verfügung hatte. Das zur Sicherung und Unterstützung eingeplante VIII. Fliegerkorps hatte 280 Bomber, 150 Sturzkampfbomber, 180 Jagdflugzeuge und 40 Aufklärer zur Verfügung. Zur See war die Kriegsmarine mit zwei Dampferstaffeln und zwei Motorseglerstaffeln beteiligt. Die Sicherung erfolgte durch die italienische Marine (Kapitän zur See Peccori-Giraldi) mit zwei Zerstörern und zwölf Torpedobooten, mehreren U-Booten, Schnellbooten und Minensuchern.

Der deutsche Militär-Nachrichtendienst Abwehr unterschätzte die tatsächliche Anzahl feindlicher Soldaten auf Kreta erheblich und war der Ansicht, auf der Insel seien maximal 15.000 britische Soldaten und nur wenige griechische Truppen stationiert. Die Bevölkerung Kretas sei den Deutschen wohlgesinnt. Dort befänden sich viele antimonarchische Kräfte, welche die alte griechische Regierung abgelehnt hätten. Die Aufklärung der 12. Armee ging zwar von mehr Truppen aus, unterschätzte aber die tatsächlichen Zahlen ebenfalls.

Nach dem gelungenen Abschluss des Unternehmens Merkur sah die Wehrmachtführung eine weitere Verwendung der Luftlandetruppen während des in Vorbereitung befindlichen Russlandfeldzuges vor. Zu diesem Zweck sollte die 7. Fliegerdivision auf die drei Heeresgruppen Nord, Mitte und Süd aufgeteilt und punktuell im Bedarfsfalle während des Vormarsches eingesetzt werden.

Deutsche_Kriegsgräberstätte_Maleme_auf_Kreta
Gruß an die toten Kameraden: Deutsche Kriegsgräberstätte Maleme auf Kreta, hier liegen 4.465 deutsche Soldaten, davon 3.352, die während der Luftlandeschlacht um Kreta gefallen sind

……….

Operationsverlauf

Hauptquartiere und Luftstreitkräfte

XI. Fliegerkorps unter Generalmajor Kurt Student
  • Kampfgeschwader z. b. V. 1 (Geschwaderkommodore Oberst Fritz Morzik)
  • Kampfgeschwader z. b. V. 2 (Geschwaderkommodore Oberst Rüdiger von Heyking)
  • Kampfgeschwader z. b. V. 3 (Geschwaderkommodore Oberst U. Bucholz)
  • 22. (Luftlande) Infanterie-Division (General Hans Graf von Sponeck)
VIII. Fliegerkorps unter General der Flieger Freiherr Wolfram von Richthofen
  • Kampfgeschwader 2 (General-Major H. Rieckhoff)
  • Jadgeschwader 77 (Major B. Woldenga)
  • Lehrgeschwader 1 (Oberst F-K. Knust)
  • Sturzkampfgeschwader 1 (Oberst-Lt.Walter Hagen)
  • Sturzkampfgeschwader 2 (Oberst-Lt. O. Dinort)
  • Sturzkampfgeschwader 77 (Major Clemens Graf von Schönborn-Wiesentheid)
  • Zerstörergeschwader 26 (Oberst J. Schalk)
Luftflotte 4 unter General der Flieger Alexander Löhr
  • 5. Panzer-Division (Gustav Fehn)
  • 6. Panzer-Division (Ferdinand Schörner)

Geplante Gliederung der Landungskräfte, 20. Mai 1941

Gruppe West (erste Welle) unter Generalmajor Meindl mit Angriffsziel Maleme
Am 21. Mai 1941 springt Oberst Hermann-Bernhard Ramcke mit 550 Mann des ersten Landungstages, die am Vortag nicht mehr transportiert werden konnten, ab und übernimmt das Luftlande-Sturm-Regiment 1 und die Gruppe West, da Generalmajor Meindl am 20. Mai 1941 schwer verletzt wurde.
  • Regimentsstab (Major Franz Braun; Todesrune.png 20. Mai 1941)
  • Bataillonsstab I./Luftlande-Sturm-Regiment (Major Koch; verwundet)
  • Stoßtrupp Brücke bei Maleme (Oberleutnante Martin Schächter und Horst Trebes)
  • 3./Luftlande-Sturm-Regiment (Oberleutnant v. Plessen)
  • 4./Luftlande-Sturm-Regiment (Hauptmann Sarazin)
  • II./Luftlande-Sturm-Regiment (Major Edgar Stentzler)
  • III./Luftlande-Sturm-Regiment (Major Otto Scherber; Todesrune.png 20. Mai 1941)
  • IV./Luftlande-Sturm-Regiment (Hauptmann Gericke)
    • 16. Kompanie Sturmpioniere (Oberleutnant Hoefeld)
  • 3./Fallschirm-Fla-MG-Bataillon (Oberleutnant Theuerling)
  • 1./Fallschirm-Artillerie-Abteilung (Hauptmann Schramm)
  • 1. Zug, Fallschirm-Sanitäts-Abteilung (Oberarzt Dr. Dietzel)
Gruppe Mitte/Zentrum (erste Welle) unter Generalleutnant Süßmann mit den Angriffszielen Chania, Rethymno, das Dorf Suda und die Suda-Bucht
  • Divisionsstab 7. Flieger-Division (Generalleutnant Süßmann, Todesrune.png 20. Mai 1941;[6] Oberst Sturm übernimmt die 7. Flieger-Division)
  • 1./Luftlande-Sturm-Regiment (Oberleutnant Genz)
  • 2./Luftlande-Sturm-Regiment (Hauptmann Gustav Altmann)
  • Stab/Fallschirm-Jäger-Regiment 3 (Oberst Heidrich; Adjutant Oberleutnant Heckel)
  • I./Fallschirm-Jäger-Regiment 3 (Hauptmann Freiherr von der Heydte)
  • II.Fallschirm-Jäger-Regiment 3 (Major Helmut Derpa; Todesrune.png 22. Mai 1941)
  • III./Fallschirm-Jäger-Regiment 3 (Major Heilmann)
  • 3./Fallschirm-MG-Bataillon (Hauptmann Schmidt)
  • Fallschirm-Pionier-Bataillon Dessau-Kochstedt (Major Liebach)
  • 1./Fallschirm-Sanitäts-Abteilung (Stabsarzt Dr. Mallison)
  • Stab/Fallschirm-Jäger-Regiment 2 (Oberst Sturm; Adjudant Major Schulz)
  • I./Fallschirm-Jäger-Regiment 2 (Major Kroh)
  • III./Fallschirm-Jäger-Regiment 2 (Hauptmann Ludwig Wiedemann)
Gruppe Ost (zweite Welle) unter Generalmajor Ringel mit den Angriffszielen Stadt und Flugplatz Heraklion
  • Stab/Fallschirm-Jäger-Regiment 1 (Oberst Bräuer; Adjutant Hauptmann Rau)
  • I./Fallschirm-Jäger-Regiment 1 (Major Walther)
  • II./Fallschirm-Jäger-Regiment 1 (Hauptmann Walter Burckhardt)
  • III./Fallschirm-Jäger-Regiment 1 (Major Karl-Lothar Schulz)
  • II./Fallschirm-Jäger-Regiment 2 (Hauptmann Schirmer)
  • 1./Fallschirm-Fla-MG-Bataillon (?)
  • 2./Fallschirm-Sanitäts-Abteilung (Stabsarzt Dr. Langemeyer)
  • 5. Gebirgs-Division (Luft- und Seelandungen ab dem Nachmittag 21. Mai 1941)
    • Regimentskommandeur (Gebirgsjäger-Regiment 85) Oberst August Krakau (mit drei Bataillonen)
    • Regimentskommandeur (Gebirgsjäger-Regiment 100) Oberst Willibald Utz (mit drei Bataillonen)
    • Regimentskommandeur (Gebirgsjäger-Regiment 141) Oberst Maximilian Jais (mit drei Bataillonen)
    • Regimentskommandeur Oberstleutnant Wittmann (Gebirgs-Artillerie-Regiment 95) (mit vier Abteilungen)
    • Bataillonskommandeur Major Bindermann (Gebirgs-Panzerjäger-Abteilung 95)
    • Bataillonskommandeur Major Castell (Gebirgs-Aufklärungs-Abteilung 95)
    • Bataillonskommandeur Major Schaette (Gebirgs-Pionier-Bataillon 95)
    • Bataillonskommandeur Major Nolte (Gebirgs-Nachrichten-Abteilung 95)

.

Sturm_als_Teil_der_7._Flieger-Division
Generalleutnant Süßmann und die Kommandeure der Fallschirm-Jäger-Regimenter 1 – 3

.

Offiziere_der_Fallschirmtruppen_für_todesmutigen_Einsatz_auf_Kreta_mit_dem_Ritterkreuz_des_Eisernen_Kreuzes_ausgezeichnet
Kleine Auswahl an Offizieren der Fallschirmtruppen, die für ihren todesmutigen Einsatz auf Kreta mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurden:
Oberleutnant Alfred Genz (oben links), Oberleutnant K. H. Becker (oben rechts), Oberleutnant Hagel (unten links), Oberleutnant Toschka (unten rechts)

……….

Fehlplanungen und Fehleinschätzungen

Deutschland

Sowohl die Angreifer als auch die Besatzer machten Fehler und schätzten die Lage teilweise falsch ein. Z. B. hätte man bei einer Gesamtfläche Kretas von rund 8.300 km² zur Landungsoperation einige weitgehend feindfreie Reviere als Landezonen auswählen können. Militärtaktisch durchaus riskant waren die von Kurt Student (XI. Flieger-Korps) geleiteten Landungen gegen die von den Briten mit schweren Waffen gesicherten Flugplätze.

Students Ölflecktaktik bestand darin, möglichst breitgestreute, zeitgleiche und vor allem zielnahe Angriffe gegen möglichst viele Orte durchzuführen, um den Moment der Überraschung strategisch auszunutzen. Dabei wurden auf deutscher Seite schwerere Waffen getrennt von den Soldaten abgesetzt. Erschwerend war, daß die Fallschirmjäger manchmal für Stunden nur mit wenig Munition ausgerüstet waren. Oftmals waren sie sogar nur mit leichten Waffen oder gar nur der Dienstpistole bewaffnet.

Des Weiteren waren Kleidung und Nahrung noch aus dem Norwegenfeldzug und für das fast tropische Wetter schlecht geeignet. Zudem fehlte eine ausreichende Anzahl von Funkgeräten, welche zwischenzeitlich vielfach auf den Weg an nördlich gelegene Kriegsfronten geschickt worden waren. Insofern war die Kommunikationsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Die Feindstärke der Inselbesatzer wurde auf 15.000 Mann geschätzt, anstatt gemäß anderer Empfehlungen eine feindliche Besatzung von rund 40.000 Mann anzusetzen. Hinsichtlich der überwiegend guten Erfahrungen auf dem griechischen Festland erwies sich eine im Vorfeld angenommene Deutschfreundlichkeit der Bevölkerung im Nachhinein als weitgehend übertrieben.

Großbritannien

Auf englischer Seite wusste der Inselkommandant Bernard Freyberg nichts von der gelungenen Entschlüsselung des Funkverkehrs und glaubte den Agentengeschichten vom geplanten deutschen Angriff nicht ganz. Er bereitete seine akklimatisierten Truppen auf eine Seelandung vor, ein Luftlandesturmangriff erschien ihm unmöglich. Die deutsche Seite leitete den Kampf über die Luftflotte 4 einheitlich und ortsnah von Athen aus, die englische Seite über die Oberkommandos von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine durch die entsprechenden Ministerien im Kriegskabinett von London aus, und Churchills Einmischung von Kairo aus war für das britische Oberkommando hinderlich.

Die Kämpfe

Die von Freyberg eingesetzten Kommandeure waren vielfach befähigt genug selbständig zu handeln, hingegen die, am entscheidenden Abschnitt Malame eingesetzten Hargest und Puttick als Politiker und Veteranen des Stellungskrieges im Ersten Weltkrieg, waren mit einem Bewegungskampf überfordert. Bei Chania, Irakleion und Rethymnon mussten die überlebenden deutschen Fallschirmjäger der ersten Landungswelle – bis zu ¾ der Einheiten waren schon in der Luft oder kurz danach am Boden neutralisiert worden – daher auch gleich zur Verteidigung übergehen. Bei Maleme konnten dagegen Verbände des Luftlande-Sturm-Regiments 1 mit Rudolf Witzig aus unbesetztem Gelände zum Angriff übergehen und nach der Räumung der Höhe 107 den auf Weisung aus Kairo unzerstörten Flugplatz erobern. Insgesamt waren die deutschen Verbände auf der Insel zahlenmäßig weit unterlegen. Doch war der Gegner, weder vom Ausbildungsstand her noch wegen der deutschen Luftüberlegenheit, in der Lage seine Truppen zu Schwerpunktangriffen zusammenzufassen. Viele der vom Festland geflüchteten britischen Truppen waren die Besatzungen zurückgelassener schwerer Waffen und hatten kaum Infanteriewaffen zur Verfügung.

Die deutschen Truppen mussten wegen der nicht genügenden Anzahl Transportflugzeuge in zwei Hauptwellen angelandet werden. Zwischen der ersten Welle am 20. Mai im Westen der Insel ab 7.00 Uhr und der zweiten Welle im Zentrum der Nordküste, statt 13.00 Uhr erst ab 16:00 bzw. 17.30 Uhr, standen langwieriges Betanken aus Fässern und verstaubte Landebahnen. Die zweite Welle setzte ohne Koordinierung und Schlachtfliegerunterstützung, die planmäßig um 15.00 Uhr die Angriffsräume bombardierten, die Fallschirmjäger über einen Zeitraum von zwei Stunden in das Abwehrfeuer des Gegners ab. Da nicht genug Flugzeuge vorhanden waren (innerhalb kurzer Zeit waren mehr als 150 Maschinen Ju 52 während der Kampfhandlungen ausgefallen), wurden Teile der Kampfgruppen erst am frühen Morgen und eine zweite Welle am späten Nachmittag des 21. Mai 1941 über Kreta abgesetzt.

Nach der Eroberung des Flugplatzes von Maleme durch die Fallschirmjäger konnten ab dem 21. Mai nachmittags die Gebirgsjäger eingeflogen und, trotz hoher Verluste durch Angriffe der Royal Navy, angelandet werden. In der Nacht zum 22. Mai wurde ein aus Piräus in Richtung Kreta ausgelaufener erster deutscher Geleitzug (Oberleutnant zur See Albert Oesterlin), bestehend aus kleinen Dampfern und Motorseglern und mit über 2.300 Gebirgsjägern an Bord, durch die britische Force D (Konteradmiral Glennie) gestellt, der über drei Kreuzer (Ajax, Dido, Orion) und vier Zerstörer (Hasty, Hereward, Janus, Kimberley) verfügte. Nur das entschlossene Eingreifen des italienischen Torpedobootes Lupo unter Francesco Mimbelli war dafür verantwortlich, dass der Konvoi vor der völligen Vernichtung bewahrt blieb und sich auflösen konnte. Trotzdem fanden, je nach Quelle, rund 300 bis 800 deutsche Soldaten und zwei italienische Matrosen den Tod, die HMS Orion verlor ebenfalls zwei Besatzungsmitglieder. Ein zweiter deutscher Geleitzug mit 4.000 Gebirgsjägern wurde bei Tagesanbruch durch vier Kreuzer und drei Zerstörer der Force C (Konteradmiral King) entdeckt. Jedoch erschien die deutsche Luftwaffe rechtzeitig; zusammen mit dem sichernden Torpedoboot Sagittario konnte der Konvoi erfolgreich verteidigt werden, lediglich zwei Segler wurden versenkt.

Auch wenn die Insel nach den Kämpfen um die damalige Hauptstadt Chania am 25. und 26. Mai, der Vernichtung des südwestlich von Chania gelegenen Befestigungen am 27. Mai und dem Beginn der gegnerischen Evakuierung am 28. Mai, erst am 1. Juli endgültig erobert wurde, war die Schlacht damit schon entschieden. Die schon vorher mit ihrer Kriegsmarine (Torpedoboote) aktiven Italiener landeten am 28. Mai in Ostkreta.

Im weiteren Verlauf der Kämpfe bewies die deutsche Luftwaffe ihre Schlagkraft sowohl beim Zermürben der gegnerischen Heeresverbände wie auch beim Niederkämpfen der Royal Navy (alleine am 22. Mai 1941 verloren die Briten zwei Kreuzer und einen Zerstörer durch u. a. Gerhard Brenner, ebenfalls wurden mehrere Schiffe schwer beschädigt, darunter das Schlachtschiff HMS Valiant).

Die deutschen Bodentruppen zeigten die Überlegenheit der Auftragstaktik gegenüber der gegnerischen Befehlstaktik. Die Verbände aus Gebirgs- und Fallschirmjägern bewiesen den hohen Gefechtswert von Elite und Korpsgeist gegen einen der Zahl nach weit überlegenen Gegner.

Gefangennahme_alliierter_Soldaten_durhc_deutsche_Fallschirmjäger_auf_Kreta
Gefangennahme alliierter Soldaten durch deutsche Fallschirmjäger auf Kreta

……….

Hohe Verluste

Kreta wurde letztendlich durch eine äußerst risiko- und verlustreiche Landung der 5. Gebirgsdivision unter Generalmajor Julius Ringel gewonnen. Am 20. Mai 1941 sprangen von den insgesamt 15.000 Fallschirmjägern der 7. Fliegerdivision mehr als 3.000 Fallschirmjäger in die „Hölle Kretas“ und in den Tod. Durch die Operationsidee – „Sprung und Sturmlandung mit dem Lastensegler in den Feind“ – landeten sie im Abwehrfeuer des Gegners, oftmals nur mit einer Pistole bewaffnet. Über 3.000 Gefallene und nochmals 2.000 Verwundete – das war das Ende, der „Tod als Luftlandewaffe“.

Die britischen Truppen einschließlich Australier, Neuseeländer und Griechen (insgesamt an die 45.000 Verteidiger) mussten mit über 3.500 Gefallenen und Verwundeten ebenfalls einen hohen Zoll zahlen, schmerzlich waren sicherlich auch die von den Deutschen gemachten ca. 20.000 Kriegsgefangenen.

Greueltaten an Deutschen

Während der blutigen Kämpfe um Kreta kam es zu Kriegsverbrechen. Deutsche Fallschirmjäger, die bei der Landung verletzt wurden oder sich in ihre Fangleinen verhedderten, wurden nicht selten von griechische Zivilisten (Männer, Frauen, Kinder, Priester, Mönche und gar Nonnen) mit Messern erstochen oder mit Knüppeln und Steinen totgeschlagen. Mit den erbeuteten Waffen schossen Partisanen auf noch in der Luft schwebende deutsche Springer.

Dazu eine Meldung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) am 30. Mai 1941:

„Bei den Kämpfen auf Kreta sind deutsche Soldaten nach ihrer Verwundung in so tierischer Weise verstümmelt worden, wie es im Verlaufe dieses Krieges bisher nur im Feldzug gegen Polen vorgekommen ist. Die deutsche Wehrmacht wird mit allen Mitteln dafür Sorge tragen, daß die Anständigkeit und Ritterlichkeit des Kampfes gewahrt bleibt. Mit dem härtesten Strafgericht wird sie daher die für diese barbarischen Verstümmelungen verantwortliche Truppe oder die schuldigen Einwohner treffen.“

Gefangen genommene deutsche Fallschirmjäger wurden ebenfalls von kretischen Partisanen (Freischärler) zahlreich auf bestialische Weise ermordet. Schuld waren die Briten, die die kretische Bevölkerung gegen die Deutschen aufgehetzt hatten und gefangen genommene Deutsche teilweise an die Griechen auslieferten.

Die britische Propaganda hatte schon im Vorfeld zu der Landung auf Kreta behauptet, die Deutschen hätten auf dem griechischen Festland Kriegsverbrechen begangen. Tatsächlich wurden die einrückenden deutschen Truppen von den stolzen aber meist deutschfreundlichen Griechen distanziert aber höflich empfangen. Nur zwei Griechen, bei denen es sich um kommunistische Terroristen und Partisanen handelte, wurden 34 Tage nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Athen in Abwesenheit zum Tode verurteilt, nachdem sie eine deutsche Reichsfahne heruntergerissen hatten.

Britische Offiziere, die nach der Gefangennahme auf Kreta befragt wurden, warum sie Verbrechen an deutschen Kriegsgefangenen zugelassen hatten, sagten: „Es ist eben Krieg“. Es gab aber auch eine andere Seite. In einem Kriegsgefangenenlager traten mutige britische Offiziere mit gezogenem Revolver kretischen Partisanen entgegen, die deutsche Gefangene lynchen wollten. Kurz darauf trafen deutsche Fallschirmjäger ein und befreiten ihre Kameraden.

Am 31. Mai 1941 erließ der tief betroffene General Student einen Befehl über Vergeltungsmaßnahmen:

„Es kommt nun darauf an, alle Maßnahmen mit größter Beschleunigung durchzuführen, unter Beiseitelassung aller Formalien und unter bewußter Ausschaltung von besonderen Gerichten. Bei der ganzen Sachlage ist dies Sache der Truppe und nicht von ordentlichen Gerichten. Sie kommen für Bestien und Mörder nicht in Frage.“

Die Fallschirmjäger und Gebirgsjäger kannten gegen Partisanen (Irreguläre) und Terrorbanden keine Gnade. Während der Kämpfe wurden bewaffnete Zivilisten, zuweilen in erbeuteten Fallschirmjägeruniformen, von den Fallschirmjägern, hinsichtlich der vorangestellten Erfahrungen, sofort erschossen. Dies entsprach dem Völker- und Kriegsrecht. Für die ermordeten deutschen Soldaten, deren Leichen oft noch zusätzlich geschändet worden waren, stellte man Gedenktafeln auf. Vor dem Dorfeingang zu Kanades wurde eine Gedenktafel mit folgender Aufschrift in griechischer und deutscher Sprache errichtet:

„Zerstört als Vergeltungsmaßnahme für die bestialische Ermordung eines Zuges von Fallschirmjägern und eines Pionierhalbzuges aus dem Hinterhalt durch bewaffnete Männer und Frauen.“

Auszug aus dem Gefechtsbericht von Generalmajor Julius Ringel vom 4. Juni 1941 bezüglich der unvorstellbaren Greueltaten der Kreter an deutsche Soldaten:

„Mittlerweile war die Gruppe „Schaette“ (Gebirgs-Pionier-Bataillon 95) in Ausführung ihres Auftrages bei Kastelli mit Freischärlern, die teils in deutschen Fallschirmjägeruniformen kämpften, in Feindberührung getreten … Ein zäher und verbissener Kampf, […] an dem sich sogar Frauen und Kinder beteiligten. Es wird schärfstens durchgegriffen! Nachdem die Greueltaten […] bekannt geworden waren, befahl die Division, für jeden getöteten oder verwundeten deutschen Soldaten 10 Kreter zu erschießen, Gehöfte und Dörfer, aus denen deutsche Soldaten beschossen wurden, niederzubrennen, in allen Orten Geiseln sicherzustellen …“

.

Mörderischer_Partisan_auf_Kreta,_antideutsche_Propaganda
Eines von vielen griechischen Gemälden, die den Mord an verwundeten oder wehrlosen Fallschirmjägern verherrlichen

……….

Ritterkreuze für Gebirgsjäger

Für ihren heldenhaften Einsatz während des Griechenlandfeldzuges erhielten 12 Gebirgsjäger das Ritterkreuz; zwei für die Kämpfe an der Metaxas-Linie im April 1941, zehn für das Unternehmen „Merkur“:

  • Max Burghartswieser, Stoßtruppführer 7./GebJägRgt 100
  • Albin Esch, Major III./GebJägRgt 85
  • Albert Gaum, Hauptmann 11./ GebJägRgt 100
  • Franz Gnaden, Major I./GebJägRgt 85
  • August Krakau, Oberst GebJägRgt 85
  • Franz Pfeiffer, Hauptmann 15./GebJägRgt 100
  • Heribert Raithel, Hauptmann II./GebArtlRgt 95 (Metaxas-Linie)
  • Julius Ringel, Generalmajor 5. GebDiv
  • Johann Sandner, Gruppenführer 11./ GebJägRgt 100 (Metaxas-Linie)
  • Max-Günther Schrank, Oberstleutnant I./GebJägRgt 100
  • Otto Schury, Major II./GebJägRgt 100
  • Egon Teeck, Major II./GebJägRgt 85
  • Willibald Utz, Oberst GebJägRgt 100
  • August Wittmann, Oberstleutnant GebArtlRgt 95

……….

Kampfhandlungen im Bild

Deutsche_Fallschirmtruppen_Kreta
Fallschirmtruppen der Luftwaffe bei der Landung auf Kreta. Die britischen Truppen, überrascht wegen der schonungslosen und draufgängerischen Art und Weise der Landung sowie der Kampfstärke der Landetruppen, begannen die Gleiter sowie die ausbootenden Soldaten der Luftlande-Sturmeinheiten mit Granatwerfern unter Feuer zu nehmen

.

Kreuzer_York_Sudabucht_Kreta
Der englische Kreuzer York in der Sudabucht: beschädigt am 22. März durch italienische Marine, am 18. Mai durch deutsche Luftwaffe; Schiffsgeschütze am 22. Mai durch die Besatzung gesprengt

.

Anlandung_Kreta_1941
Gebirgsjäger werden mit zivilen Booten angelandet. Teile der Konvois hatten nur geringen Schutz durch italienische Marine und deutsche Luftwaffe und dementsprechende Verluste auf See, andere wurden in letzter Sekunde von Stuka-Angriffen auf englische Zerstörer gerettet

.

Fallschirmjäger_Mai_1941_Kreta
Fallschirmjäger haben eine Höhe besetzt. Das Höhenprofil der Insel ging bis auf 2.500 Meter hinauf

.

Gebirgsjäger_auf_einem_Flugfeld_auf_dem_greichischen_Festland_warten_auf_Verladung_nach_Kreta_während_dem_Unternehmen_Merkur
Gebirgsjäger auf einem Flugfeld auf dem griechischen Festland warten auf Verladung nach Kreta während des Unternehmens

.

Gebirgsjäger_auf_Kreta,_24._Mai_1941
Ankommende und kampferprobte Gebirgsjäger waren ein willkommener Anblick für die ausgeblutete, aber standhafte Fallschirmtruppe

.

Kreta, toter Fallschirmjäger
Viele Fallschirmjäger wurden noch im Schweben von Partisanen ermordet

.

Vormarsch_deutscher_Fallschirmjäger_auf_Kreta
Vormarsch deutscher Fallschirmjäger auf Kreta

.

Glückliche_Fallschirmjäger_nach_der_Eroberung_Kaneas_auf_Kreta
Glückliche Fallschirmjäger nach der Eroberung Kaneas auf Kreta

.

Deutsche_Fallschirmjäger_trauern_um_ihre_gefallenen_Kameraden,_Mai_1941
Deutsche Fallschirmjäger trauern um ihre gefallenen Kameraden, Mai 1941

………

Nachwirken

Die acht Tage dauernden Kämpfe kosteten die Wehrmacht 3.700 Tote und Vermisste und über 2.000 Verwundete. Nach dem Kretaeinsatz erfolgte kein großer Luftsturmeinsatz der Fallschirmjäger mehr. Die von General Student geforderte Eroberung Zyperns kam nicht zur Durchführung. Auch die geplante Eroberung von Malta (Unternehmen „Herkules“ im Juni 1942) wurde aufgegeben, obwohl Italien mit einer Fallschirm- und einer Luftlandedivision an dem Unternehmen hätte teilnehmen können. Der nicht erfolgte Einsatz der Fallschirmtruppe während des Irak-Aufstandes im Frühjahr 1941 hatte folgenschwere strategische Auswirkungen.

„Die Deutschen haben zu diesem Zeitpunkt tatsächlich eine Luftlandetruppe zur Verfügung gehabt, durch die sie sich in den Besitz Syriens, des Irak und Persiens mit ihren kostbaren Petroleumfeldern hätten setzen können. Hitlers Hand hätte sich weit in Richtung Indien ausstrecken und sich Japan entgegenstrecken können.“ 

– Winston Churchill –

Zweifelsfrei hätten die Fallschirmjäger bei der geplanten Eroberung der sowjetischen Erdölfelder bei Baku während des Ostfeldzuges (1942) und beim Durchbruch durch die El Alamein-Linie (1942) eine entscheidende Rolle spielen können. Gelände, Umstand und die fehlende Kommunikation z. B. in dem sowjetischen Riesenreich waren optimal für Luftlandeunternehmen geeignet. Die großen Möglichkeiten der Fallschirm- und Luftlandetruppe wurden jedoch hinsichtlich der großen Verluste auf Kreta von der Führung nicht genutzt. Verdeckte Einsätze nach Fallschirmsprung führten Sondereinheiten der Division Brandenburg durch. Die nächste Luftlandeoperation von Fallschirmjägern nach Fallschirmsprung erfolgte erst 1943 während des Unternehmens „Leopard“ der Kampfgruppe Müller auf der Insel Leros. Das Unternehmen „Herkules“ zur Eroberung von Malta im Verbund mit italienischen Luftlandetruppen wurde abgesagt. Die letzte Luftlandeoperation war während der Ardennenoffensive das Unternehmen „Stößer“.

Die deutsche Luftlandung auf Kreta erregte nichtsdestoweniger weltweit großes Aufsehen. Die Briten und die Amerikaner verstärkten ihre Luftlandetruppen nach deutschem Vorbild. Eine Gruppe deutscher Kretakämpfer leistete Hilfe beim Aufbau der japanischen Luftlandetruppe. Die japanische Armee setzte 1942 bei der Eroberung von Borneo und Sumatra 350 von Deutschen ausgebildete Fallschirmjäger ein.

.
Quelle: Metapedia

4 thoughts on “Das Unternehmen „Merkur“ (Luftlandeschlacht um Kreta)

Kommentare sind geschlossen.